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Wie der Märzwinter deutsche Flughäfen auf Trab hält

20.03.2013 - 16:56

Trotz einiger Tage mit Sonne und Plusgraden hat der Märzwinter besonders die Nord- und Osthälfte Deutschlands noch fest in seinem eisigen Griff. Das bedeutet nicht nur, dass wir die Winterjacken und -stiefel noch nicht im Schrank verstauen können: Schnee und Eis halten auch die Winterdienste auf allen Verkehrswegen weiterhin gehörig auf Trab – das gilt besonders für Deutschlands Flughäfen.

Bis der Frühling dem kalten Wetter endgültig den Garaus macht, müssen die Airports nicht nur das Eis auf dem Boden, sondern auch an den Jets selbst regelmäßig entfernen, damit der Flugverkehr störungsfrei abgewickelt werden kann. Als der Winter sich Mitte März mit aller Kraft zurückmeldete, musste der größte Flughafen Deutschlands zeitweise sogar schließen – rund 800 Flüge fielen aus – das waren gut zwei Drittel aller Verbindungen an diesem Tag.

Insbesondere an großen, internationalen Flughäfen bringen massive Verspätungen und gestrichene Verbindungen schnell auch die fragile Ordnung des internationalen Luftverkehrs durcheinander. Zudem haben diese Airports oft viele Passagiere, die umsteigen wollen. Wenn das Wetter für Chaos in den Flugplänen sorgt, können sie nicht weiterreisen und sind an den Flughäfen gestrandet.

Sicherheit kommt vor Pünktlichkeit

Trotzdem – wenn der Schnee über eisglatte Rollfelder weht, gilt es an den Flughäfen vor allen Dingen, die Sicherheit der Flüge zu gewährleisten. Warum Vorfelder, Rollwege, Start- und Landebahnen deshalb regelmäßig flächenenteist werden müssen, ist einleuchtend: Die Maschinen müssen sicher und ohne Rutschpartie von A nach B, in die Lüfte und wieder auf den Boden gelangen können.

 

Allein der Frankfurter Flughafen verfügt für die Bodenbearbeitung über eine Armada von gut 240 Fahrzeugen, wie Schneeverladefräsen, Streufahrzeuge und Kipper, aber auch Kleintraktoren mit einem Schneeschild für schmale Wege. Schon die logistische Koordination all dieser Fahrzeuge erfordert bei Wintereinbrüchen einiges an planerischem Geschick.

Eisfrei fliegt es sich leichter

Ohne Eis auf den Tragflächen fliegt es sich leichter – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, weshalb Flugzeuge konsequent enteist werden. Denn das hohe Gewicht von Eis und Schnee oder eine ungleichmäßige Vereisung hätte eine Verschlechterung der Aerodynamik zur Folge, die wiederum den Auftrieb der Maschine verringern könnte.

 

Das würde bedeuten, dass der Flieger beispielsweise eine längere Startbahn benötigen würde als ohne das kalte Zusatzgewicht. Zudem könnten die Ruder zum Steuern des Flugzeuges durch das Eis blockieren oder sich beim Startvorgang loslösende Eisbrocken die Maschine beschädigen. Mit vereisten Flugzeugen zu fliegen, wäre also zu riskant. Ob ein Flieger vor dem Start enteist werden muss oder nicht, entscheidet immer der Pilot.

De-Icing und Anti-Icing für einen sicheren Flug

Falls ja, wird mit einem so genannten „Elephant“ eine spezielle, biologisch abbaubare Enteisungsflüssigkeit aufgesprüht. Diese besteht in der Regel aus einem 60°C bis 80°C heißen Gemisch aus Wasser, Glykol und ergänzenden Zusatzstoffen.

 

Wenn das Flugzeug enteist ist, kann zusätzlich ein Anti-Icing durchgeführt werden: Dabei wird extra Schutzschicht aufgesprüht und verhindert so, dass sich darauf erneut Eis auf der Maschine bildet. Allerdings ist auch deren Wirkungszeit begrenzt. Wenn ein Flugzeug erfolgreich enteist wurde, muss es also innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, der sogenannten „Hold Over Time“, starten, um den Passagieren und der Crew einen sicheren Flug garantieren zu können.

(jwö)

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