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Jetstream: Warum dauern Flugreisen von Ost nach West länger als ihre Rückreise?

30.05.2016 - 11:35

Frankfurt – New York: acht Stunden und 35 Minuten hin und siebeneinhalb Stunden zurück! Wer oft von Europa aus in die USA fliegt, hat es bereits bemerkt: Die Hinreise dauert deutlich länger als der Rückflug. Doch warum ist das so? Wir erklären im Folgenden das interessante Phänomen des Jetstreams.

Was sind Jetstreams?

Mit der Kranichlinie benötigen Reisende von New York nach Frankfurt 50 Minuten weniger als in der Gegenrichtung. Foto: Ingrid Friedl/Lufthansa
Ein Blick in die Pläne verschiedener Airlines zeigt, dass Flugrouten von Ost nach West deutlich länger dauern als die Rückreisen. Vor allem Passagiere, die beispielsweise von Deutschland nach Nordamerika und wieder zurück fliegen, können diesen zeitlichen Effekt deutlich spüren. Verantwortlich ist der sogenannte Jetstream (zu Deutsch: Strahlstrom), der einen recht verlässlichen Höhenwind bezeichnet. Dieser tritt meist im Bereich von der oberen Troposphäre bis zur Stratosphäre auf.

Wie entstehen Jetstreams?

Um zu verstehen, wie Jetstreams entstehen, sollten Sie vorher Folgendes wissen!

Das globale Wettergeschehen lässt sich wie folgt zusammenfassen:
  • Da im Bereich des Äquators die Sonneneinstrahlung am stärksten ist, erwärmen sich die Luftmassen, steigen auf und bilden Wolken.
  • In einer Höhe von bis zu 18 Kilometern teilt sich die Luft und strömt in Richtung der Pole.
  • Dort ist die Sonneneinstrahlung besonders gering, sodass die Luftmasse wieder absinkt und zum Äquator fließt.
  • Hier trifft sie auf die Luftmasse der anderen Halbkugel, steigt wieder auf und der Kreislauf schließt sich.
Entscheidend sind zum einen die Gradientkraft, welche die Luftmassen vom Äquator zu den Polen treibt und zum anderen die Corioliskraft. Diese lenkt die Luft auf der Nordhalbkugel immer nach rechts und auf der Südhalbkugel stets nach links ab. Das bedeutet: Die Luftmassen, welche zu den Polen fließen, werden auf beiden Erdhalbkugeln nach Osten geleitet. Somit entstehen aus Gradienten-Winden ostwärts fließende Jetstreams.

Was bedeutet das in der Luftfahrt?

Sowohl die Reiserouten als auch die Flugzeiten werden in Folge des Jetstreams angepasst.
Da es sich beim Jetstream um einen sehr starken Wind handelt, können Flugzeuge diesen zu ihrem Vorteil nutzen. Bei einer Windgeschwindigkeit von bis zu 540 km/h fliegen die Maschinen von West nach Ost deutlich schneller als auf einem entgegengesetzten Flug und sparen zugleich Treibstoff. Deshalb werden die Reiserouten und die Flughöhen so an den Verlauf des Jetstreams angepasst, dass die Piloten den Rückenwind nutzen und den Gegenwind meiden können.

Warum gibt es einen Ost-West-Unterschied?

Warum die Flüge beispielsweise von Nordamerika nach Europa deutlich kürzer sind, liegt an der bereits erwähnten Corioliskraft. Diese sorgt dafür, dass die Luftmasse auf der Nordhalbkugel von West nach Ost fließt. Weil dieser Starkwind so verlässlich ist, können Flugpläne abgestimmt werden – woraus auch die unterschiedlichen Flugzeiten resultieren.

Tritt der Jetstream auch auf Kurzstrecken auf?

Die Antwort lautet: Ja, der Starkwind kommt auch auf kurzen Verbindungen vor. Allerdings ist der Einfluss auf die Fluggeschwindigkeit hier deutlich geringer.

Der Zusammenhang zwischen Luftlöchern und Jetstreams

Anschnallen während des Fluges kann vor schweren Verletzungen schützen. Foto: Condor
Wer kennt sie nicht, die sogenannten Clear Air Turbulences (zu Deutsch: Turbulenzen in wolkenfreier Luft)? Sie sind für uns Passagiere besonders unangenehm, weil sie mit einer ungewollten Höhenänderung während des Fluges einhergehen.

Diese Luftlöcher entstehen durch das Aufeinandertreffen von größeren Luftmassen, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen. So auch beim Fliegen: Aufgrund der großen Geschwindigkeitsdifferenz zwischen dem Flugzeug und der Luft in der Umgebung, kann es speziell im Randbereich des Jetstreams zu Turbulenzen kommen.

Vor allem Reisende mit Flugangst bekommen bei den unangekündigten Luftlöchern besonders große Panik. Durch das ruckartige Absacken des Fliegers hängen demnach alle Passagiere an der Decke, die nicht angeschnallt sind. Bei der Wucht des Aufpralls zurück in den Sitz kann es zu schweren Verletzungen kommen. Deswegen ist das Anschnallen so wichtig! Für das Flugzeug sind solche Turbulenzen zum Glück ungefährlich.
 
(mja)

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