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Schufa - die wichtigste Hürde vor der Kreditvergabe

01.03.2013 - 13:00

Wenn es um die Vergabe von Krediten geht, ist die Schufa eine unumgängliche Instanz. Kunden mit einem schlechten Schufa-Score, bekommen von den Banken keine Darlehen.  Von sogenannten „Krediten ohne Schufa“ sollte man aber lieber die Finger lassen, denn hinter diesen Angeboten stecken häufig unseriöse Vermittler. Viele Mythen und Fragen bewegen sich um die Auskunftei in Wiesbaden – wir klären auf!

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) ist eine im Jahr 1927 gegründete Wirtschaftsauskunftei in Wiesbaden. Deutsche Kreditbanken, Sparkassen und Privatbanken sind hundertprozentige Anteilseigner des Unternehmens. Der Zweck der Schufa ist es, die Banken und Sparkassen vor Kreditausfällen und Verbraucher vor Überschuldung zu schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, leitet sie relevante Daten der Bürger an die Kreditinstitute weiter.

Die Schufa und die Banken stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander: Die Bank fordert bei einem Kreditantrag eine Schufa-Auskunft über den Darlehensnehmer. Im Gegenzug liefert die Bank der Auskunftei Daten über abgeschlossene Verträge und das Zahlverhalten ihrer Kunden.

Welche Daten hat die Schufa über Verbraucher?

Der Schufa liegen 440 Millionen Daten über 65 Millionen Bürger vor. Laut einer Angabe der Auskunftei sind die Daten von 90 Prozent der Verbraucher positiv. Jeder Mensch, der in Deutschland "wirtschaftlich aktiv" wird, also ein Konto eröffnet, einen Mobilfunkvertrag abschließt oder bei einem Versandhandel einkauft, wird von der Schufa erfasst. Die Auskunftei verfügt über Kontaktdaten, wie Name, Alter, Geschlecht, Wohnort und die aktuelle Anschrift der Verbraucher.

Für die Banken relevant sind Angaben über bestehende Kredit- oder Leasingverträge, Anzahl bestehender Konten und Kreditkarten und Konten bei Versandhäusern. Wurden Forderungen nicht beglichen oder Konten und Kreditkarten missbräuchlich verwendet, hat die Schufa auch hierüber Informationen. Die Angaben werden vervollständigt durch Vermerke zu Kreditanfragen, Angaben zu Privatinsolvenzverfahren und Angaben aus öffentlichen Verzeichnissen. Daten über die Höhe des Einkommens und des Kontostandes der Verbraucher werden von der Schufa nicht gespeichert.

Bei den Daten unterscheidet die Schufa zwischen Positiv- und Negativmerkmalen. Zu den Positivmerkmalen zählen die fristgerechte und vertragsmäßige Abwicklung von „Geschäftsbeziehungen“, also die Tilgung eines Kredites oder die Bezahlung einer offenen Rechnung. Unter Negativmerkmalen sind gerichtliche Vollstreckungsmaßnahmen, beispielsweise eine Zwangsvollstreckung oder Lohnpfändung, und  nicht vertragsgemäßes Verhalten, wie die Überschreitung von Zahlungsfristen gespeichert. Einmal jährlich können Verbraucher ihre Schufa-Akte kostenlos einsehen.

Woher hat die Schufa ihre Daten?

Der Großteil der gespeicherten Daten wird der Auskunftei von ihren Vertragspartnern wie Banken, Mobilfunkanbietern, Versandhäusern und Handelsunternehmen übermittelt. Zur Weiterleitung der Daten vom Vertragspartner an die Schufa muss der Verbraucher jedoch sein Einverständnis geben. Einen Teil der Angaben über die Verbraucher ermittelt die Schufa auch selbst, beispielsweise aus öffentlichen Quellen wie von Amtsgerichten oder Schuldnerverzeichnissen.

Aus Datenschutzgründen ist es umstritten, ob die Schufa diese Daten ohne die Einwilligung der betroffenen Person digitalisieren und speichern darf. Einerseits ist das Schuldnerverzeichnis eine öffentliche Datenbank, in die jeder, unter Vorlage eines triftigen Grundes Einsicht bekommt. Andererseits kritisiert der Datenschutz die Einstellung von öffentlichen Daten und deren Digitalisierung in eine rein private Datenbank. Nun wurde eine entsprechende Klausel, die der Schufa die Digitalisierung dieser Daten erlaubte, aus den EU-Datenschutzrichtlinien entfernt.

Wie lange werden die Daten bei der Schufa gespeichert?

Werden Giro- oder Kreditkartenkonten vom Verbraucher gekündigt, eliminiert die Auskunftei diese Einträge ebenfalls sofort aus der Akte. Bei Baufinanzierungen, die durch Bürgschaften abgesichert sind, wird die Bürgschaft sofort aus der Schufa-Akte gelöscht, wenn der Immobilienkredit getilgt ist. Daten über Kreditanfragen oder Kontoeröffnungen löscht die Schufa bereits nach zwölf Monaten.

Kredite die bereits vollständig getilgt sind, bleiben auch weitere drei Jahre nach dem letzten Rückzahlungstermin in der Akte gespeichert. Ebenfalls drei Jahre nach der Begleichung der Schuld werden Einträge über Konten bei Handelsunternehmen oder Versandhäusern gelöscht. Genauso verhält es sich mit Daten aus den Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte. Kann der Verbraucher beweisen, dass das Amtsgericht die Daten vorzeitig gelöscht hat, muss auch die Schufa diese Vermerke vor Ablauf der drei Jahre aus ihren Akten entfernen.

Negativinformationen, also Zahlungsausfälle oder offene Forderungen werden bei der Schufa für drei Jahre gespeichert. Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Daten auch vorzeitig aus der Schufa-Akte gelöscht werden: Die Forderung muss der Schufa erstmals nach dem 1. Juli 2012 mitgeteilt worden sein und sich auf einen Betrag von weniger oder exakt 2.000 Euro belaufen. Außerdem darf es sich bei der Forderung nicht um eine sogenannte „titulierte Forderung“ wie einen Vollstreckungsbescheid handeln.

Wenn der Gläubiger die Forderung innerhalb von sechs Wochen begleicht und dieses auch der Schufa innerhalb von sechs Wochen mitgeteilt wird, löscht die Auskunftei die Daten vorzeitig aus der Akte. Trifft nur eines dieser Kriterien nicht zu, bleibt der Vermerkt über die gesamten drei Jahre in der Akte bestehen.

Warum wirkt sich ein schlechter Schufa-Score negativ auf die Kreditvergabe aus?

Neben den verschiedenen Daten über die Verbraucher ermittelt die Schufa auch einen Punkte-Wert (Score) der ihren Vertragspartnern zur Verfügung steht. Jedem Verbraucher wird hierfür ein Wert zwischen 1 und 100 zugeordnet, der die Wahrscheinlichkeit für einen Kreditausfall angibt. Je niedriger also der Schufa-Score eines Verbrauchers ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer das Darlehen nicht wie vereinbart zurückzahlt.

Bei der Punktevergabe werden Daten über das Einkommen, den Arbeitgeber oder das Arbeitsverhältnis nicht eingerechnet. Die Schufa legt die Berechnung der Punktezahl nicht offen, deswegen ist unklar, welche Faktoren einen Einfluss auf die Bewertung haben. Möglicherweise sorgt sogar bereits ein Umzug in ein „schlechtes“ Viertel für ein Absenken des Scores.

Bei der Kreditvergabe legt die Bank höchsten Wert darauf, das Ausfallrisiko so gering wie möglich zu halten. Hat ein Kunde, der einen Kreditantrag stellt, einen schlechten Schufa-Score, wird die Bank ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen. Viele Verbraucher greifen in diesem Fall auf den „Kredit ohne Schufa“ zurück. Diese Art von Darlehen wird durch verschiedene Vermittler im Internet bereitgestellt.

Da keine jedoch Bank ein Interesse daran hat, einem zahlungsunfähigen Schuldner Geld zu leihen, verlaufen auch diese Angebote oft im Sande und der Kunde wird betrogen. Kommt es doch zur Vermittlung eines „Kredites ohne Schufa“ muss der Darlehensnehmer sich darauf einstellen, sehr hohe Zinsen und möglicherweise andere anfallende Gebühren zu bezahlen. Diese betragen häufig ein Vielfaches der normalen Zinsen einer Bank.

Wer also einen so schlechten Schufa-Score hat, dass die Banken den Geldhahn bereits zugedreht haben, sollte lieber auf einen Kredit aus dem privaten Umfeld zurückgreifen, statt auf dubiose Angebote aus dem Internet reinzufallen.

(as)

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