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Alles Schufa oder was? Überblick über weitere deutsche Auskunfteien

11.09.2014 - 12:00

Egal welches Finanzprodukt ein Verbraucher bei einer deutschen Bank beantragt: Die Wiesbadener Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, die SCHUFA, scheint in der Bankenwelt allgegenwärtig und - was viele Verbraucher besonders verunsichert - allwissend. Was die wenigsten jedoch wissen: Banken lassen sich nicht nur von der Schufa mit Verbraucherinformationen versorgen. Wir geben einen Überblick über weitere deutsche Auskunfteien, die einen Einfluss auf die Vergabe eines Kredites, die Eröffnung eines Girokontos oder die Ausgabe einer Kreditkarte haben können.

Natürlich ist die SCHUFA, die in ihren Datenbeständen Informationen über 66,2 Millionen Privatpersonen und laut eigener Angaben bei der Erstellung von Bonitätscores im Bankensektor einen Marktanteil von über 90 Prozent hat, die bekannteste aller Auskunfteien in Deutschland. Es gibt keine große Bank, die vor der Vergabe eines Finanzproduktes zuvor nicht die jeweiligen Kundeninformationen bei der Schufa anfragt. Zusätzlich zur SCHUFA-Anfrage ziehen die Banken jedoch oft auch die Informationen anderer Auskunfteien hinzu – daher ist es gut zu wissen, wer neben der SCHUFA Informationen über Sie speichert, die in die Entscheidungen der Banken einfließen kann.

Creditreform Boniversum GmbH

Creditreform Boniversum GmbH; Quelle: Wikipedia
Mit Informationen zu 55 Millionen Privatpersonen verfügt die 1879 gegründete Wirtschaftsauskunftei Creditreform Boniversum GmbH unter den Auskunfteien über den zweitgrößten Datenbestand. Die zusätzlichen Informationen zu 4,9 Millionen deutschen Unternehmen machen Creditreform jedoch zur größten Unternehmensdatenbank Deutschlands. Anders als bei der SCHUFA sind Unternehmen, beispielsweise Banken, nicht Kunden der Auskunftei sondern Mitglieder eines lokalen Creditreform-Vereines.

Die Kreditwürdigkeit einer Privatperson wird bei Creditreform, ebenso wie bei der SCHUFA, in einem prozentualen Wahrscheinlichkeitswert, dem „Bonitätsindex“ eingestuft, der zwischen 100 und 600 Punkte betragen kann – je besser die Bonität eines Verbrauchers, desto höher ist sein Indexwert. Informationen über einen Verbraucher werden bei Creditreform ebenfalls in Positiv- und Negativinformationen unterteilt. Anders als die SCHUFA bezieht Creditreform auch sogenannte Geodaten in die Bonitätsbewertung eines Verbrauchers ein.

Arvato Infoscore GmbH

Arvato Infoscore; Quelle: Wikipedia
Die Arvato Infoscore GmbH ist eine Tochterfirma des deutschen Bertelsmann Konzernes und mit Informationen von 7,8 Millionen deutscher Bundesbürger (Stand 2010) eine vergleichsweise kleine Auskunftei. Arvato Infoscore bezieht die Informationen, die zur Bonitätsbewertung eines Verbrauchers gespeichert werden unter anderem aus Produkten anderer Konzernbereiche, darunter beispielsweise DeutschlandCard oder Webmiles. Darüber hinaus bezieht die Auskunftei Informationen aus Schuldnerverzeichnissen, Amts- und Insolvenzgerichten.

Anders als SCHUFA und Creditreform speichert Arvato Infoscore über einen Verbraucher neben persönlichen Informationen zu Name, Anschrift und Geburtsdatum nur sogenannte Negativmerkmale. Auch Arvato berechnet die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers mittels statistischer Verfahren und stuft diese, je nach Bonität, auf einer Skala zwischen 400 und 700 Punkten ein.

Bürgel Wirtschaftsinformationen

Bürgel Wirtschaftsinformationen; Quelle: Wikipedia
Seit knapp 130 Jahren sammelt die Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH Informationen über Unternehmen und Privatpersonen im In- und Ausland. Eigentümer des Unternehmens sind die Allianz Gruppe und die EOS Holding, Tochterfirma der Otto Group. Informationen über Verbraucher und Firmen erhält die Bürgel GmbH genau wie Arvato Infoscore unter anderem aus Schuldnerverzeichnissen sowie Amt- und Insolvenzgerichten.

Unternehmen und Banken haben bei der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH die Option, je nach Interesse und Art des Geschäftes verschiedene Bonitätsauskünfte anzufordern. Die Einschätzung eines möglichen Zahlungsausfalles wird beim Bürgel Score aus gespeicherten Positiv- und Negativinformationen mit einer Punktzahl zwischen 1,0 und 6,0 bewertet, wobei ein niedriger Wert eine sehr gute Bonität bescheinigt.

Unser Tipp

Diverse Medienskandale in der Vergangenheit haben es bewiesen: Verbraucher sollten immer genau prüfen, ob die Informationen, die Auskunfteien über sie haben, korrekt und auf dem aktuellen Stand sind. Liefert die Auskunftei an eine Bank oder ein anderes Unternehmen falsche oder veraltete Informationen aus, kann sich dies beispielsweise nachteilig auf die Vergabe eines Kredites oder die Kreditkonditionen auswirken. Machen Sie regelmäßig von Ihrem Recht auf eine kostenlose Selbstauskunft pro Jahr (BDSG) Gebrauch und fragen Sie Ihre Akte bei den jeweiligen Auskunfteien regelmäßig ab. Auf diese Weise verhindern Sie, dass falsche oder veraltete Informationen über Sie an Banken weitergegeben werden, die in der Folge möglicherweise die Auszahlung eines Kredites, die Eröffnung eines Girokontos oder die Ausgabe einer Kreditkarte verhindern. 
(as)

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