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Schuldenkrise: Italien gefährdet Euro-Zone

10.11.2011 - 17:29

Italien braucht dringend Hilfe: Seit Mittwoch ist gewiss, dass sich Rom nicht aus eigener Kraft aus dem Schuldensumpf befreien kann. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, muss das Land für zehnjährige Anleihen mittlerweile bis zu 7,5 Prozent Zinsen zahlen. Eine Rekapitalisierung auf dem Finanzmarkt wird auf lange Sicht gesehen so nicht mehr möglich sein. Ein Flächenbrand droht, der die gesamte Euro-Zone gefährdet.

Im Vergleich zu Griechenland stehen die Sterne schlecht für Italien: Während Athen mit 350 Milliarden Euro Schulden zu kämpfen hat, sind es in Rom 1800 Milliarden Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Gesamtverschuldung Italiens jedoch geringer, das Land gehört schließlich zu den acht weltweit mächtigsten Industrienationen.

Italien ist drittgrößter Anleiheschuldner

Im vergangenen Jahr betrugen Roms Schulden gemessen am BIP 119 Prozent, bei Athen 143 Prozent. Die Herbstprognose der EU-Kommission prognostiziert für Italien eine Steigerung von 120,5 Prozent, in Griechenland werden dagegen 198,8 Prozent erwartet. Das Drama wird erst deutlich, wenn der Refinanzierungsbedarf beider Schuldenstaaten betrachtet wird: Bis Ende des kommenden Jahres wird Italien voraussichtlich 300 bis 400 Milliarden Euro, bis Ende 2016 sogar 800 Milliarden Euro, benötigen. Griechenlands Verbindlichkeiten sind vergleichsweise relativ gering: Bis Ende 2014 beträgt die Summe 90 Milliarden Euro, mit der Umschuldung reduziert sich die Summe um 50 Prozent. Nach den USA und Japan gehört Italien damit zum weltweit größten Anleiheschuldner.

Gibt es noch Wege aus der Euro-Krise?

Ein Weg aus der Krise ist derzeit nicht in Sicht. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) kann hier nicht mehr viel ausrichten, weil gegenwärtig zu viele italienische Bonds auf dem Markt kursieren. Deren Renditen kann die EZB langfristig nicht drücken. Um der Krise Herr zu werden, müssten die Währungshüter ihre Prinzipien gänzlich über Bord werfen und noch mehr Anleihen kaufen. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Vollgarantie für alle Staatsanleihen von krisengebeutelten Euro-Staaten. Beide Varianten könnten aber nicht durchgesetzt werden, da Deutschland und die Niederlande klare Gegner dieser Maßnahmen sind. Damit wird die Euro-Zone ernsthaft in Gefahr gebracht: Denn selbst der Rettungsfonds EFSF, der mit einem Finanzhebel auf eine Billion Euro erweitert wird, würde Italien nicht dauerhaft stützen können - eine Pleite wäre unausweichlich.

Gesamte Euro-Zone ist gefährdet

Hinzu kommt, dass nun auch Österreich um sein Top-Rating Triple A bangen muss, da das Land eng mit der italienischen Wirtschaft verwoben ist. Gleiches gilt für Frankreich, dessen Banken Milliardenverluste wegen der Griechenland-Krise verbuchen mussten. Eine Bonitätsabstufung beider Länder hätte schwerwiegende Folgen auf die Euro-Rettung. Der EFSF verlöre dann ebenfalls seine Topbonität und das Ende der Währungsunion könnte besiegelt sein.

Die Probleme Italiens sind schwerwiegender als die der Hellenen, da kann selbst ein Schuldenschnitt nicht viel ausrichten. Denn milliardenschwere italienische Staatsanleihen sind, anders als die der Griechen, auch in den Händen von US-Investoren. Gleiches gilt auch für Kreditausfallversicherungen. Im Vergleich zum griechischen Schuldenschnitt hätte eine Pleite Italiens schwerwiegendere Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten zur Folge.

(sb)

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