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SCHUFA und Co.: Was wissen Auskunfteien über mich?

28.10.2015 - 09:59

Selbst wenn Rechnungen oder Kreditraten immer pünktlich bezahlt werden, der Gedanke daran, welche Daten SCHUFA und Co. gespeichert haben, bereitet vielen Verbrauchern Bauchschmerzen. Wie erfahre ich, was Auskunfteien über mich wissen? Wir haben den Test gemacht.

Sogenannte Wirtschaftsauskunfteien sammeln Daten zum Zahlungsverhalten von Privatpersonen. Fast jeder hat schon einmal von der SCHUFA gehört. Doch was viele nicht wissen: Es gibt in Deutschland noch weitere große Auskunfteien, die ähnlich wie der Marktführer aus Wiesbaden Kundendaten sammeln und an Vertragspartner weitergeben. Zu den großen Auskunfteien gehören neben der SCHUFA unter anderem Creditreform Boniversum, Arvato infoscore und Bürgel Wirtschaftsinformationen.

Daten und Scoring: Wie arbeiten Auskunfteien?

SCHUFA und Co.: Helle Ziffern auf dunklem Hintergrund
Viel Wind um ein paar Zahlen: Wie die Auskunfteien die Bonitätsscores berechnen, bleibt ihr Geheimnis.
Ihre Daten über das Zahlungsverhalten von Verbrauchern beziehen die Auskunfteien zum Teil von Vertragspartnern wie Banken und Online-Händlern sowie aus öffentlichen Verzeichnissen. Bevor sie mit einem Kunden ein Geschäft eingehen, können sich Firmen bei Unternehmen wie der SCHUFA oder Creditreform über die betreffende Person informieren. Meist werden die Kundeninformationen an die Vertragspartner der Auskunftei in Form eines Bonitätsscores weitergegeben. Diese Kennzahl, die in der Regel in Prozent angegeben wird, soll anzeigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein potentieller Kunde seine Rechnung begleichen oder seinen Kredit zurückbezahlen wird.

Liegen über eine Person konkrete Zahlungsinformationen vor, fließen diese Daten in die Bewertung ein – ein Score wird oftmals allerdings auch dann ausgegeben, wenn das nicht der Fall ist. Die Berechnung erfolgt dann nach statistischen Verfahren und anhand vergleichbarer Personengruppen. So haben die Auskunfteien durchaus Einfluss darauf, ob jemand im Onlineshop auf Rechnung einkaufen kann oder einen Kredit erhält. Fürchten muss sich deshalb vor SCHUFA und Co. aber niemand. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, sollte regelmäßig von seinem Recht auf eine Selbstauskunft Gebrauch machen.
 
Welche Daten werden über mich gespeichert?

Grundsätzlich speichern die Auskunfteien persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum und Adresse – neben der aktuellen Anschrift sind das meist auch frühere Adressen. Nicht gespeichert werden dürfen Angaben wie Familienstand oder Einkommen. Welche zahlungsrelevanten Daten die Auskunfteien speichern, ist wiederum unterschiedlich. Während die SCHUFA sowie Creditreform nach eigenen Angaben neutrale, positive und negative Merkmale speichern, werden bei den übrigen Auskunfteien nur negative Zahlungsdaten vermerkt. Das können beispielsweise die Kündigung eines Ratenkredites aufgrund von nicht gezahlten Raten oder ein Mahnbescheid sein. Zu den positiven oder neutralen Bonitätsmerkmalen zählen etwa ein seit langem bestehendes Girokonto oder ein immer fristgerecht bedienter Kredit.

Einmal jährlich kostenlos: Selbstauskunft für Verbraucher

Seit 2010 gibt es für Verbraucher eine einfache, kostenlose Möglichkeit, die über sie bei SCHUFA und Co. gespeicherten Daten zu sichten und zu kontrollieren. Das Recht auf Selbstauskunft ist gesetzlich verankert und leitet sich aus dem Grundrecht auf informelle Selbstbestimmung ab. Konkret bedeutet das: Jeder kann einmal jährlich bei Auskunfteien eine kostenlose Auskunft darüber anfordern, welche persönlichen Daten dort über ihn gespeichert sind. Wie das geht? Wir haben in der Redaktion den Test gemacht und bei vier Auskunfteien eine kostenlose Selbstauskunft angefordert. Die Ergebnisse haben wir an dieser Stelle zusammengefasst:

SCHUFA

So geht’s: Wer auf der Internetseite der SCHUFA recherchiert, findet zunächst kostenpflichtige Angebote. Der Link zur kostenlosen Selbstauskunft ist dagegen etwas versteckt. Dafür stellt die SCHUFA ein Formular zum Download bereit, mit dem die Beantragung der Selbstauskunft schneller von der Hand geht (doch Vorsicht: Wer im unteren Kästchen einen Haken setzt und seine Bankverbindung angibt, bestellt statt der kostenfreien eine kostenpflichtige Version). Mit dem ausgefüllten und unterschriebenen Formular muss eine Ausweiskopie an die SCHUFA geschickt werden – diese dient der eindeutigen Identifizierung der Person.

So lange hat es gedauert: Für die Antwort benötigte die Auskunftei in unserem Test etwas mehr als zwei Wochen.

Das stand drin: Erwartungsgemäß sind die Daten, die bei der SCHUFA über uns gespeichert sind, am detailliertesten und umfangreichsten. Die Auskunftei kennt sogar alle unsere Voranschriften. Darüber hinaus sind aktuelle Konten, Kreditkarten und Handyverträge gelistet. Neben einem Basis-Score gibt die SCHUFA verschiedene Branchen-Scores aus – so steht in der Selbstauskunft, welcher Score etwa Banken, Telekommunikationsunternehmen oder dem Handel auf Anfrage mitgeteilt werden würde. Wie alle anderen Auskunfteien auch, gibt die SCHUFA an, ob – und falls ja, welche – Unternehmen in den letzten zwölf Monaten Auskünfte über die eigene Person angefordert haben.

Creditreform Boniversum

So geht’s: Am einfachsten und schnellsten funktioniert die Beantragung der kostenlosen Selbstauskunft bei Creditreform. Über den Privatkundenservice Bonigo können Verbraucher die Auskunft über ein Online-Formular bestellen. Eingegeben werden müssen lediglich Name, Geburtsdatum und Adresse – das Mitschicken eines Ausweisdokumentes ist nicht notwendig. Die Befürchtung, dass ohne einen Identifikationsnachweis ein Missbrauch der Daten vereinfacht wird, ist in den Augen der Auskunftei allerdings unbegründet. Die Argumentation: Creditreform sendet an die angegebene Adresse nur Daten, die der entsprechenden Person über alle drei Merkmale (Name, Geburtsdatum, Adresse) eindeutig zugeordnet werden können.

So lange hat es gedauert: Bei Creditreform ging die Zustellung am schnellsten: In unserem Test war der Brief mit der Selbstauskunft jeweils zwei Tage nach der Online-Beantragung da.

Das stand drin: Lagen keine personenrelevanten Informationen vor, errechnete Creditreform nach eigenen Aussagen einen Score unter Einbeziehung folgender Daten mit absteigender Gewichtung: Alter, Geschlecht, Adresse. Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit wird dabei in Prozent angegeben. Unsere Personen- und Adressdaten wurden von Creditreform als „durchschnittlich“ bezeichnet. Zu keinem von uns lagen zahlungsrelevante Daten vor, unsere Scores lagen dennoch im mittleren Bereich.

Arvato Infoscore

So geht’s: Wer bei Arvato eine Selbstauskunft beantragen möchte, muss Name, Geburtsdatum und Adresse in schriftlicher Form, über den Post- oder Faxweg, vorlegen. Das Beilegen einer Ausweiskopie ist freiwillig – nach Angaben der Auskunftei dient dies jedoch der sicheren Identifizierung einer Person und vermeidet Rückfragen.

So lange hat es gedauert: Bis die Selbstauskunft von Arvato da war, dauerte es bei unseren Anfragen ungefähr eine Woche.

Das stand drin: Auch wenn keine Informationen über uns gespeichert waren, gab Arvato einen Score aus, den sogenannten Basic-Score. Laut der Auskunftei flossen in die Berechnung in absteigender Reihenfolge und mit absteigender Gewichtung die Adressdaten, Anschriftendaten (etwa, wie das Zahlungsverhalten in der Straße, in diesem Viertel ist) sowie personenbezogene Daten wie Geschlecht und Alter ein. Unsere Scores lagen hier über dem Durchschnitt.

Bürgel Wirtschaftsinformationen

So geht’s: Bürgel stellt auf seiner Homepage ein Formular zum Download bereit. Dieses muss ausgefüllt und unterschrieben gemeinsam mit der Kopie eines Ausweisdokumentes an die Auskunftei geschickt werden.

So lange hat es gedauert: Bis die Antwortschreiben von Bürgel bei uns eintrafen, dauerte es rund drei Wochen.

Das stand drin: Als einzige der vier Auskunfteien gibt Bürgel in der Selbstauskunft keinen Score an, wenn in der Wirtschaftsdatenbank über die betreffende Person keine zahlungsrelevanten Daten gespeichert sind. „Eine Auskunftserteilung ist aus diesem Grunde nicht möglich“, hieß es in dem beigefügten Antwortschreiben. Gespeichert waren zum Teil noch alte Adressen und Kontodaten.

Kostenlose Selbstauskunft: Fazit der Redaktion

Insgesamt gab es in den von uns angeforderten Selbstauskünften keine groben Fehler oder Falscheinträge. Insbesondere aber, wenn keine Daten vorliegen und ein Score einzig aus Personen- und Adressdaten errechnet wird, ist das für den Verbraucher in der Regel kaum nachvollziehbar. So kamen die Auskunfteien bei ein und derselben Person, unter Berücksichtigung derselben Daten, durchaus auf  unterschiedliche Ergebnisse, was die Rückzahlungswahrscheinlichkeit betrifft.

Mit mehr Transparenz ist in naher Zukunft allerdings nicht zu rechnen. Wie Creditreform und Co. ihre Scores berechnen, gilt als Betriebsgeheimnis – erst im vergangenen Jahr bestätigte ein Gerichtsurteil, dass die Auskunfteien nicht offenlegen müssen, wie sie beim Scoring im Detail vorgehen. Das gilt auch für das nicht unumstrittene sogenannte Geoscoring, bei dem die Kreditwürdigkeit aufgrund von Adressdaten beurteilt wird.
 
Tipp: Nur wer die Daten kennt, die SCHUFA, Creditreform und Co. über ihn gespeichert haben, kann im Zweifelsfall gegen Falscheinträge vorgehen. Es ist deshalb ratsam – wenn etwa eine Kreditaufnahme geplant ist – frühzeitig von dem Recht auf Selbstauskunft Gebrauch zu machen. Auf diese Weise gibt es beim Gedanken an Auskunfteien keinen Grund mehr für ein mulmiges Bauchgefühl – und keine bösen Überraschungen.

(hd)
 

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