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Welche Folgen hat die Leitzinssenkung der EZB für Verbraucher?

08.05.2013 - 18:00

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag den Leitzins auf 0,5 Prozent gesenkt hat, müssen sich Verbraucher auf einige Veränderungen einstellen. Vor allem Sparer werden von der Zinssenkung getroffen. Worauf müssen sich Anleger und Kreditnehmer einstellen?

Am vergangenen Donnerstag teilte EZB-Chef Mario Draghi mit, dass die Zentralbank den Leitzins von 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent senken wird. Aktuellen Medienberichten zufolge ist er sogar bereit, den wichtigsten Refinanzierungszins der Banken noch weiter zu senken, sofern es nötig werden sollte. Durch die Leitzinssenkung will die EZB die Rezession bekämpfen, unter der die Volkswirtschaften vieler Euro-Länder leiden. Die Hoffnung: Die Banken bieten Kredite für Unternehmen zu billigeren Konditionen an und verleihen auch mehr Geld an private Haushalte. Der Nachteil: Die Leitzinssenkung kommt einer Enteignung der Sparer gleich.

Die Folgen für Sparer

Wie bereits erwähnt ist der Leitzins der Hauptrefinanzierungszins der Banken – sie leihen sich zu diesem Satz Geld bei der EZB. Zusätzlich beschaffen sich die Banken Geld von ihren Kunden: Sie nutzen die Einlagen, um mit dem Geld zu handeln. Im Gegenzug zahlen sie auf Einlagen Zinsen. Nachdem die EZB-Kredite aber bereits zu einem Satz von 0,5 Prozent erhältlich sind, lohnt es sich für die Banken nicht, hohe Zinsen auf Kundeneinlagen zu vergeben, da Zentralbankgeld billiger zu haben ist. Daher werden die Renditen auf Geldanlagen wie Tagegeld oder Festgeld in den kommenden Monaten weiter sinken. Und das, obwohl die Zinsen dieser Anlagemodelle bereits sehr niedrig sind – nur noch bei wenigen Anbietern können Verbraucher die Inflation ausgleichen und reale Gewinne erzielen. Im April lag die Teuerung in Deutschland bei 1,2 Prozent. Um Erträge zu erwirtschaften, müssen Sparer aber eine Kapitalanlage wählen, dessen Zinssatz wenigstens knapp über diesem Wert liegt.

Im Tagesgeld-Bereich sind entsprechende Angebote unter anderem noch bei der RaboDirect und der Renault Bank direkt (jeweils 1,65 Prozent), der Volkswagen und Audi Bank (jeweils 1,6 Prozent) sowie bei der ING-DiBa, der Cortal Consors und der 1822direkt (jeweils 1,5 Prozent) erhältlich. Auch bei der Bank of Scotland (1,4 Prozent) werden Realerträge erwirtschaftet. Im Hinblick darauf, dass die Anlagezinsen in den kommenden Monaten weiter sinken werden, ist zudem ein Tagesgeldkonto empfehlenswert, das Sparern eine Zinsgarantie über mehrere Monate verspricht.

Auch beim Festgeld können Verbraucher den Realwert ihres Geldes steigern: Wer sein Geld beispielsweise über einen Zeitraum von einem Jahr fest anlegen will, findet bei der Renault Bank direkt (1,75 Prozent), der GEFA Bank und der pbb direkt (je 1,5 Prozent), der VTB Bank (1,35 Prozent) und der IKB direkt (1,3 Prozent) eine Kapitalanlage, mit der Sparer reale Gewinne erzielen. Besonders in Zeiten sinkender Zinsen bietet das Festgeld ein gewisses Maß an Sicherheit, da der Zinssatz über die gesamte Laufzeit gebunden ist.

Alternative Möglichkeiten der Geldanlage

Im Hinblick auf die niedrigen Zinsen, die sichere Geldanlagen wie Tages- und Festgeld bieten, ist die Frage nach alternativen Anlagemodellen durchaus berechtigt. Her sind zum Beispiel Aktien interessant. Sparer sollten aber beachten, dass sich eine Anlage erst ab bestimmten Mindestbeträgen bezahlt macht. Grund dafür sind die damit verbundenen Kosten. Außerdem müssen Verbraucher immer auch mit einem gewissen Verlustrisiko rechnen: Denn je höher der Zinssatz ist, umso größer ist auch das damit verbundene Risiko. Nach Meinung von Experten lohnt sich die Geldanlage in Aktien und Aktienfonds, wenn nur frei verfügbares Kapital über einen Zeitraum von mehreren Jahren eingesetzt wird.

Welche Folgen hat die Leitzinssenkung für Kredite?

Theoretisch hat eine Leitzinssenkung immer auch fallende Kreditzinsen zur Folge – in der Praxis ist das aber nicht unbedingt der Fall. Denn die Kreditkonditionen orientieren sich nicht nur am Leitzins, sondern auch an langfristigen Zinsen, beispielsweise für Bundesanleihen oder Pfandbriefe. Der Grund: Geben Banken langfristige Kredite heraus, refinanzieren sie sich über die entsprechende Kreditlaufzeit mit einem dieser Anlagen. Vor allem die Zinsen von Baufinanzierungen werden dadurch beeinflusst.

Aktuell ist aber fraglich, ob die Banken der Eurozone die Kreditzinsen weiter senken werden, sie die Kreditvergabe ankurbeln und die EZB damit ihr Ziel erreicht. Zum einen sind etwa die Bauzinsen auf einem historischen Tiefstand – für einen Immobiliarkredit mit fünfjähriger Zinsbindung zahlen Verbraucher zurzeit nur 2,3 Prozent im Jahr. Auch Ratenkredite sind derzeit günstig: Über den CHECK24-Kreditrechner erhalten Verbraucher einen 10.000-Euro-Kredit mit einer fünfjährigen Laufzeit bereits zu einem durchschnittlichen Zwei-Drittel-Zinssatz von jährlich 6,4 Prozent effektiv – das ist der Satz, den im Schnitt zwei Drittel der Kreditnehmer erhalten.

Autokredite sind sogar zu noch günstigeren Konditionen erhältlich. Zum anderen verläuft die Kreditvergabe in vielen Euro-Ländern wegen der schwachen Wirtschaft und den hohen Arbeitslosenzahlen restriktiv – das Ausfallrisiko der Verbraucher ist schlichtweg zu groß. In diesen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lage entspannt, demnach geringer. In Deutschland ist die Situation entspannter: Nach einer Umfrage der Deutschen Bundesbank wollen die Banken auch in den nächsten Monaten die Vergaberichtlinien nicht nennenswert ändern.

Zumindest bei den Dispozinsen ist bereits eine positive Entwicklung ersichtlich. Wie die Bild-Zeitung am Freitag berichtete, haben die ersten Banken bereits Zinssenkungen bei Dispokrediten angekündigt – darunter die Deutsche Bank, die Norisbank, die Berliner Bank und die Comdirect Bank. Allerdings werden die Zinsen nur geringfügig sinken: So kündigte die Deutsche Bank zum 15. Mai eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf 12,25 Prozent an und die Norisbank will die Dispozinsen von 11,75 Prozent auf 11,5 Prozent senken. Im Schnitt verlangen die Banken in Deutschland knapp elf Prozent für die Kontoüberziehung – nach Meinung von Verbraucherschützern viel zu hoch.

Wie sich die Lage in den nächsten Wochen und Monaten weiter entwickelt, bleibt abzuwarten. Zumindest bei Sparern ist aber schnelles Handeln angesagt, da die Einlagenzinsen in der Regel schneller angepasst werden als Kreditzinsen.

(sb)

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