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Gefühlte Inflation liegt über dem amtlichen Wert

25.01.2014 - 18:00

Nahrungsmittel werden bei der Ermittlung der offiziellen und der gefühlten Inflation unterschiedlich stark gewichtet.
Die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr bei 1,5 Prozent - das gab das Statistische Bundesamt Anfang des Jahres bekannt. Allerdings haben laut einer Umfrage des „Stern“ viele Menschen in Deutschland den Eindruck, dass sich die Rate auf einem höheren Niveau bewegt hat. Berechnungen der Großbank Unicredit gehen in die gleiche Richtung: Das Geldhaus hat für das vergangenen Jahr die sogenannte gefühlte Inflation ermittelt und ist auf einen Wert von 2,2 Prozent gekommen. Die Differenz zur offiziellen Inflationsrate ergibt sich aus einer abweichenden Gewichtung einzelner Preise.

Eine Inflationsrate von nur 1,5 Prozent? Das Gefühl vieler Menschen sagt etwas anderes. Bei der im Auftrag des „Stern“ durchgeführten Umfrage gaben 58 Prozent der Befragten an, dass sie den Eindruck haben, dass die Preise im vergangenen Jahr stärker gestiegen sind. 35 Prozent erklärten, dass ihr persönliches Gefühl der tatsächlichen Inflationsrate entspricht.

Ein besonders großer Teil der Umfrageteilnehmer – 80 Prozent – ärgerte sich über gestiegene Wohnkosten. Höhere Preise im Bereich Verkehr sorgten bei 70 Prozent der Befragten für schlechte Stimmung. Kostensteigerungen bei Lebensmitteln und Getränke stießen bei 56 Prozent auf Unmut. 36 Prozent beklagen sich über höhere Preise im Bereich Bildung und Unterhaltung, 21 Prozent über höhere finanzielle Belastungen in Zusammenhang mit Dienstleistungen wie Reinigung oder Friseur.

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Die Wahrnehmung der Menschen spiegelt sich auch in einer weiteren Zahl wider: in der gefühlten Inflation. Die Großbank Unicredit berechnet diese Zahl seit einigen Jahren und hat für 2013 eine Rate von 2,2 Prozent ermittelt – ein erkennbar höherer Wert als die 1,5 Prozent des Statistischen Bundesamtes. Erklären lässt sich diese Differenz damit, dass bei der Berechnung der beiden Werte unterschiedliche Methoden angewendet werden.

Die Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes basiert auf dem sogenannten Warenkorb, der alle für die Konsumenten in Deutschland relevanten Waren und Dienstleistungen enthält. Dazu zählen beispielsweise Nahrungsmittel, Getränke, Kleidung, Strom und Gas. Auch Kosten für Unterhaltung, Kultur oder Bildung werden miteinbezogen. Die Behörde ermittelt einmal im Monat mehr als 300.000 Einzelpreise der entsprechenden Waren und Dienstleistungen. Diese werden gemäß ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gewichtet – also nach ihrem Anteil an sämtlichen gekauften Waren und Dienstleistungen – und zur Berechnung des Verbraucherpreisindex herangezogen. Bei dessen Veränderung handelt es sich wiederum um die Inflationsrate.

Wie werden die einzelnen Produkte gewichtet?

Die Unicredit betrachtet bei der Ermittlung der gefühlten Inflation ebenfalls die Preisentwicklung der Waren und Dienstleistungen – gewichtet die einzelnen Produkte allerdings anders: Das Geldhaus zieht bei seinen Berechnungen die Kaufhäufigkeit der Waren und Dienstleistungen heran. Ein Beispiel: Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke werden vergleichsweise oft gekauft – diese fließen mit 27 Prozent in die gefühlte Inflationsrate ein. In der amtlichen Statistik werden die Preise dieser Produkte hingegen nur mit rund zehn Prozent berücksichtigt. Entsprechende Differenzen gibt es auch im Falle anderer Produkte. Die Bank begründet ihre Berechnungsmethode damit, dass Verbrauchern Preisveränderungen bei Waren und Dienstleistungen, die sie häufiger erwerben, stärker auffallen. Langlebigere Produkte wie beispielsweise eine Waschmaschine werden hingegen seltener gekauft und spielen deshalb eine geringere Rolle.

Indes ist die gefühlte Inflation im Vergleich zu den vergangenen Jahren gesunken. 2012 lag sie noch bei 3,5 Prozent, 2011 gar bei 4,2 Prozent. Die tatsächliche Inflation belief sich in diesen Jahren auf 2 Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent.

(bb)

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