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Inflation: Was kommt in den Warenkorb?

26.02.2013 - 19:08

Die Inflation bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre den kontinuierlichen Anstieg des Verhältnisses von Geldmenge zu Gütermenge. Das bedeutet, dass sich das Preisniveau von Waren und Dienstleistungen ständig erhöht, und dementsprechend die Währung an Wert verliert. Gemessen wird die Inflation an einem repräsentativen „Warenkorb“, dessen Wert monatlich berechnet und ins Verhältnis zum Vorjahresmonat gesetzt wird. Die Inflationsrate entspricht der Steigerung seines Preises. Doch was genau befindet sich eigentlich im Warenkorb, und wie beeinflussen die einzelnen Posten den Wert unseres Geldes?

Die repräsentativen Warengruppen und Dienstleistungen im Warenkorb umfassen all das, was der deutsche Durchschnittsbürger im alltäglichen Leben benötigt. Dazu gehören natürlich in erster Linie Nahrungsmittel, die im Schnitt mehrmals wöchentlich eingekauft werden. Auch alkoholfreie Getränke wie Mineralwasser, Saft oder Softdrinks werden mit eingerechnet. Einen weiteren Posten stellen Genussmittel in Form von alkoholischen Getränken und Tabakwaren dar.

Auch eine durchschnittliche Menge an Bekleidung und Schuhen hat ihren Platz im Warenkorb. Ein besonders teurer Posten ist außerdem das Wohnen. Ebenfalls werden die Versorgung mit Wasser, Gas und Brennstoffen mit eingerechnet. Unter Güter fallen weiterhin Einrichtungsgegenstände sowie ein Posten für sonstige Waren.

Unter Dienstleistungen fallen Kosten für Gesundheit – wie beispielsweise kostenpflichtige Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen – und Pflege. Außerdem werden Nachrichtenübermittlung wie Telefon oder Mobilfunk sowie Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Bildungswesen, Hotel und Restaurant sowie sonstige Dienstleistungen in den Warenkorb mit eingerechnet. Ein weiterer Posten wird allgemein unter Verkehr geführt. Hierzu zählen die Anschaffung und der Unterhalt eines Autos sowie die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die gefühlte Inflation des Einzelnen unterscheidet sich von der Statistik

Ein Blick auf den Inhalt des Warenkorbs macht deutlich, dass die repräsentative Auswahl der Waren und Dienstleistungen nicht für jeden Bundesbürger dieselben Kosten verursacht. So gibt es in der Gesellschaft natürlich Raucher und Nichtraucher, Gelegenheitstrinker und Antialkoholiker. Zudem legen die Menschen unterschiedlich viel Wert auf Kleidung oder Wohnraum sowie die Qualität ihrer Lebensmittel. Wer ausschließlich Bio oder Feinkost kauft, gibt selbstverständlich wesentlich mehr Geld für Nahrungsmittel aus. Weiterhin besitzen nicht alle Bürger ein Auto oder einen Handyvertrag. Wer zudem ein Eigenheim besitzt, spart sich monatlich hohe Mietkosten.

Preistreiber waren in den vergangenen Monaten hauptsächlich Energie und Lebensmittel, während andere Güter wie beispielsweise Elektronik um einiges günstiger geworden sind. Dies zeigt deutlich, dass es sich bei der Teuerungsrate lediglich um einen repräsentativen Durchschnittswert handelt, welcher nicht jeden Bürger in gleichem Maße betrifft.

Nimmt man als Beispiel einen Raucher, der in einer verhältnismäßig teuren Großstadt zur Miete wohnt, ein Auto besitzt und regelmäßig Alkohol trinkt, so bekommt dieser die Inflation natürlich deutlicher zu spüren als ein nichtrauchender Antialkoholiker, der im Eigenheim lebt und vorzugsweise mit dem Fahrrad fährt. Im Rahmen dessen spricht man auch von der gefühlten Inflation. Dazu gehört auch die Tatsache, dass Verbraucher mit hohem Einkommen von der Inflation wesentlich weniger belastet werden als die, die monatlich nur wenig Geld zur Verfügung haben.

Inflationsangst: Das Gespenst der Weimarer Republik

Das so genannte „Inflationsgespenst“ sitzt seit den negativen Erfahrungen in der Weimarer Republik des Jahres 1923 im kollektiven Gedächtnis der Bundesbürger fest. Hier erfuhr Deutschland eine gravierende und rasant fortschreitende Geldentwertung, die sämtliche Ersparnisse innerhalb kürzester Zeit komplett wertlos machte. Seitdem genügen in der Bundesrepublik bereits die geringsten Anzeichen von Preissteigerungen, um bei den Deutschen eine enorme Inflationsangst auszulösen. Besonders die anhaltende Eurokrise hatte bei den Bundesbürgern in den letzten Monaten zu einer starken Beunruhigung geführt. Diese wurde von Ökonomen wie Deutsche Bank Chef Anshu Jain ausgelöst, die einen zwangsläufigen Anstieg der Teuerungsrate als Folge der Euro-Rettung prophezeit hatten.

Im Januar lag die Inflationsrate in Deutschland jedoch bei lediglich 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – bei einer Teuerung von unter 2,0 Prozent spricht man von stabilen Verhältnissen. Zuständig für die Berechnung der Inflation ist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Die hier errechneten Werte dienen wiederum der Bundesbank als Indikator für die Steuerung ihrer Geldpolitik. Erreicht die Inflationsrate beispielsweise einen alarmierend hohen Wert, so kann die Zentralbank dieser Tendenz durch eine Regulierung der Geldmenge gegensteuern.

(fr)

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