0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Griechenland droht Staatspleite: Folgen für Eurozone

05.01.2012 - 13:37

Griechenlands Premierminister Lucas Papademos warnt Medienberichten zufolge vor einer unkontrollierten Staatspleite im März, sollte Athen bis dahin nicht die dringend benötigten Finanzhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF erhalten. Was würde ein Bankrott Griechenlands für die Eurozone bedeuten?

Die Hellenen müssen dringend das von der EU geforderte Sparziel erreichen, um weiterhin finanzielle Hilfen aus dem Ausland zu erhalten. Zu diesem Zweck hat Papademos Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände unter anderem dazu aufgefordert, kurzfristige Lohnkürzungen hinzunehmen, um eine Einkommensentwertung und den Ausstieg aus dem Euro zu verhindern. Griechenland benötigt eine Einigung mit der Troika aus EU, Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europäischen Zentralbank (EZB) sowie weitere Kredite. Eine griechische Staatspleite hätte fatale Folgen für die gesamte Eurozone.

Griechenland Pleite mit Ansteckungsgefahr

Wie das Handelsblatt berichtet, müssten besonders europäische Banken aus Mangel an Käufern griechische Staatsanleihen aus den Bilanzen abschreiben. Das hätte einen Dominoeffekt zur Folge: Auf dem Markt abgeschlossene Kreditausfallversicherungen müssten ausgezahlt werden, folglich gäbe es weitere Abschreibungen. Höhere Refinanzierungskosten für die schwächelnden Euro-Staaten Portugal und Irland sind ebenfalls sehr wahrscheinlich - aktuell schätzen die Märkte eine Pleite Portugals binnen der nächsten 24 Monate als hoch ein. Spanien würde in diesem Fall auch in den Fokus der Spekulanten rücken - Spaniens Banken besitzen portugiesische Staatsanleihen im Wert von 80 Milliarden Euro. Ein Ausfall würde das angeschlagene Bankensystem und auch den spanischen Staat hart treffen –die Regierung müsste die Finanzhäuser stabilisieren. Sollte das Land die Kosten nicht stemmen können, würde das den EFSF überfordern. Damit besteht eine Ansteckungsgefahr für Deutschland und Frankreich: Berlin besitzt spanische Anleihen im Umfang von 180 Milliarden Euro, Paris von 140 Milliarden Euro.

Folgen einer griechischen Staatspleite

Sollte es zu einer Staatspleite Griechenlands kommen, könnten die Hellenen ihre Anleihen nicht mehr als Sicherheiten für ihre kurzfristige Refinanzierung bei der EZB hinterlegen. Das griechische Bankensystem würde ohne eine kurzfristige Lösung ebenfalls Pleite gehen. Um einen Kollaps der Banken und einen Zusammenbruch des Bargeldverkehrs zu verhindern, müsste die griechische Regierung Auszahlungsstopps verhängen – mit hoher Wahrscheinlichkeit würde die Bevölkerung schnellstmöglich ihr Geld von den Konten holen. Zudem würden aufgrund des Geldmangels Gehälter nicht mehr gezahlt werden können, was einen Anstieg der Arbeitslosigkeit nach sich ziehen würde. Sollte sich die EZB dennoch entschließen die Pleiteanleihen zu kaufen, würden voraussichtlich Verluste drohen. Eine mögliche Rekapitalisierung der EZB träfe insbesondere Deutschland als stärkste Volkswirtschaft Europas sehr hart.

Staatspleite muss abgewendet werden

Die Gewerkschaften sind bislang nicht bereit, weitere Einsparungen in Kauf zu nehmen. Rentner und Arbeitnehmer seien durch die Krise unverhältnismäßig hoch belastet worden. Mitte Januar reisen Vertreter der EU-Kommission, des IWF und der EZB nach Athen, um Verhandlungen über weitere Sparmaßnahmen im Rahmen des europäischen Rettungspakets zu führen. Damit die bereits im Oktober bewilligte zweite Hilfsleistung in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro bewilligt wird, muss Griechenland Bedingungen erfüllen - im Mai 2011 erhielt das Land erstmals 110 Milliarden Euro. Zusätzlich zu Steuer- und Justizreformen fordert die Troika auch Rentenkürzungen.

Griechenlands Regierungssprecher Pantelis Kapsis hatte am Dienstag einen Austritt aus der Eurozone nicht mehr ausgeschlossen. Finanzwissenschaftler Clemens Fuest, der ab2013 das Forschungsinstitut ZEW leiten soll, warnt vor einem solchen Schritt: In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte der Ökonom, dass das den Investoren signalisieren würde, dass die Reformpolitik beendet sei. Zudem drohe eine Kettenreaktion - die Bürger anderer Krisenländer könnten Banken stürmen, politische Unruhen drohten. Zusätzlich gäbe es bei einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone hohe Verluste für EZB und Währungsunion.

(sb)

Weitere Artikel: