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Folgen einer Griechenland-Pleite für die Banken

13.10.2011 - 18:15

Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker deutet nach Angaben der Financial Times Deutschland einen Schuldenschnitt für Griechenland an. Die Folgen für die Banken können verheerend sein – und das Weltfinanzsystem durch eine Griechenland-Pleite stark in Mitleidenschaft gezogen werden.

Von einem Forderungsverzicht wollten bislang nur wenige etwas wissen. Nun eröffnete Juncker am Montagabend dem österreichischen Fernsehsender ORF die Möglichkeit eines Schuldenschnitts von 60 Prozent. „Ich schließe einen Schuldenschnitt nicht aus. Aber man sollte nicht denken, dass es einfach reicht, einen brutalen Schuldenschnitt in Griechenland vorzunehmen. Man muss dafür Sorge tragen, dass dies nicht zu Ansteckungsgefahren in der Euro-Zone führt", so der Euro-Gruppenchef. Besonders die Banken könnten von einem solchen Schritt negativ beeinträchtigt werden – auf beinahe Zweidrittel der Forderungen an Griechenland müssten die Finanzinstitute der Euro-Zone im Falle eines Schuldenschnitts verzichten.

Risiken eines Schuldenschnitts Griechenlands

Ein Schuldenschnitt Griechenlands ist einem Staatsbankrott gleichzusetzen, was unweigerlich eine Pleite der griechischen Banken nach sich zieht – diese hatten 2010 nach Angaben des Bankenstresstests landeseigene Anleihen im Wert von 48,2 Mrd. Euro. Ein Verlust von 60 Prozent bedeutete ein Betrag von etwa 29 Mrd. Euro - ein Zusammenbruch würde unweigerlich folgen. Damit besteht die Gefahr, dass die Akzeptanz der Märkte für andere Wackelkandidaten im Euroraum, die Rettungspakete nutzen, schwindet. Zusätzlich zu den bereits bekannten Problemstaaten wie Irland, Italien oder Portugal würde auch Frankreich unter Druck geraten. Die Schieflage der Dexia-Bankgruppe belastet das Land bereits stark. Ein weiteres Risiko birgt die Frage, ob der Forderungsverzicht Zahlungsansprüche an Kreditausfallversicherungen zur Folge haben wird, wie hoch diese sein werden und wer dafür aufkommen wird. Bei der Lehman-Pleite von 2008 kollabierte der Versicherungsgigant AIG, da die hier versicherten Kreditausfälle nicht mehr gedeckt werden konnten.

Auswirkungen auf Banken und den deutschen Staat

Das deutsche Bankenwesen sieht einer Griechenland-Pleite entspannter entgegen: Wie Financial Times Deutschland berichtet, sind deutsche Banken bereits gut auf einen Schuldenschnitt Griechenlands vorbereitet. Die Finanzhäuser führten eine Wertberichtigung bis auf das Niveau des Marktpreises durch und berücksichtigten so eine Abschreibung in Höhe von 60 Prozent. Der deutsche Staat hingegen würde mit einer dreifach höheren Summe belastet als die Banken – mit mehr als 13 Mrd. Euro würde der Staatshaushalt belastet werden.

(sb)

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