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Finanzen: Fusion von Landesbanken gescheitert

09.11.2010 - 13:05

Nun also doch nicht: Laut Angaben der BayernLB wird auf Beschluss des Vorstands das Fusionsprüfungsverfahren zum Zusammenschluss der BayernLB mit der WestLB eingestellt. Vor etwa sechs Wochen waren diesbezüglich Gespräche aufgenommen worden. Durch eine Fusion der beiden Unternehmen wäre nach der Deutschen Bank und der Commerzbank das drittgrößte Bankenunternehmen Deutschlands entstanden.

Vorrangig wirtschaftliche Überlegungen seien für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen, heißt es von Seiten der BayernLB. Der zu erwartende Ertrag im Falle eines Zusammenschlusses stehe nicht im Verhältnis zum Ertrag der BayernLB als Einzelunternehmen. Um einen Zusammenschluss dieser Größenordnung zu rechtfertigen, sei eine wesentlich höhere Ertragskraft die Grundvoraussetzung.

Dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil zufolge waren die Verhandlungen von Seiten des BayernLB Vorstandes ergebnisoffen. Die Fusionsgespräche jetzt abzubrechen, sei dementsprechend konsequent und sachlich korrekt. Ziel sie außerdem die Konsolidierung der BayernLB und die Entwicklung eines tragfähigen Zukunftskonzepts. Dieses solle die die Möglichkeiten von Teilprivatisierung, Fusionen oder Gesamtverkauf umfassen.

Enttäuschung bei der WestLB

Von Seiten der WestLB wurde Kritik an der Entscheidung geäußert. Die Einstellung der Gespräche wurde als „vorzeitiger Abbruch“ bezeichnet. Man bedauere es sehr, dass überhaupt nicht zur Klärung inhaltlicher Punkte gekommen war. Bei der WestLB hatte man durchaus Vorteile in einer Fusionierung der beiden Banken gesehen. Bankenchef Dietrich Voigtländer ist der Meinung, eine eingehendere Prüfung der Fusion wäre vielversprechend und sinnvoll gewesen.

Nun sollen die Aussichten für einen Zusammenschluss mit anderen Geldhäusern geprüft werden. Friedrich Merz, Veräußerungsexperte der WestLB sowie Finanzexperte der CDU, erklärte, dass im Landesbankensektor die Konsolidierung eine Herausforderung sei. Dies sei jedoch allen Beteiligten von Anfang an klar gewesen.

Besonders für die nordrhein-westfälische Landesbank ist das Scheitern der Fusionsgespräche ein herber Rückschlag, denn bis Ende 2011 muss sie gemäß EU-Auflagen den Besitzer mehrheitlich wechseln. Der Zusammengang mit einer weiteren Landesbank wäre eine alternative Option.

Auch Sparkassen von geplatzten Vertragsverhandlungen betroffen

Doch auch die deutschen Sparkassen leiden unter den geplatzten Fusionsverhandlungen, denn bislang nutzten sie acht Landesbanken als ihre Zentralbanken. Bereits mehrmals wurde versucht die Anzahl der Länderbanken zu verringern und so Geld einzusparen. Eine einzelne effiziente Sparkassen-Zentralbank sollte das Endergebnis des Prozesses sein. Auch auf Seiten der Bundesregierung hatte man sich um eine neue Anordnung des öffentlich-rechtlichen Bankensektors bemüht.

Zahlreiche Banken haben sich im Zuge der Wirtschaftskrise in eine ungünstige Situation manövriert – durch milliardenschwere Investitionen in risikoreiche Papiere und generelles Missmanagement. Umfassende staatliche Hilfestellung war für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die WestLB, BayernLB und die HSH Nordbank erforderlich. Lediglich die Landesbank Berlin (LBB) und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatten 2009 schwarze Zahlen geschrieben.

(tei)

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