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Was die Euro-Rettung kostet

28.10.2011 - 17:14

Bis jetzt hat der Bund noch kein Geld im Zuge der Euro-Rettung verloren. Ganz im Gegenteil, denn die Bundesrepublik hat bisher durch die Hilfsaktion sogar Einnahmen von über 200 Millionen Euro verbuchen können. Diesen Betrag musste Griechenland bisher für Darlehen aus der Bundesrepublik hinlegen. Doch risikofrei sind die auf dem Euro-Gipfel getroffenen Beschlüsse keineswegs: Es geht um die Steuereinnahmen eines gesamten Jahres.

Die Aufrechterhaltung der Währungsunion wird zunehmend teurer. Griechenland musste gestützt werden, Portugal und Irland ebenso. Nun soll der deutsche Steuerzahler auch noch für Finanzinstitute haften. In zwei Jahren hat sich so eine gewaltige Summe angehäuft. Das erste Hilfspaket für Griechenland vom Mai vergangenen Jahres beträgt insgesamt 110 Milliarden Euro, wobei Deutschland einen Anteil von 22,4 Milliarden Euro trägt. Davon wurden bereits 13,5 Milliarden Euro ausgezahlt. Dabei handelt es sich um Darlehen, welche verzinst und danach zurückgezahlt werden müssen. Daran könnte die Bundesrepublik sogar verdienen – wenn alles gut geht.

Der ESEF Rettungsfonds

Der Rettungsschirm umfasst insgesamt eine Summe von 778 Milliarden Euro, wobei Deutschland mit 211 Milliarden Euro bürgt. Dabei leiht sich der ESEF an den Kapitalmärkten Geld und verleiht es seinerseits weiter an Krisenstaaten wie Irland oder Portugal. Dass eine Rückzahlung zustande kommt, wird von der Bundesrepublik zusammen mit anderen Ländern garantiert. Nur für den Fall, das etwas schiefgeht, muss Deutschland auch finanziell gerade stehen. Also etwa wenn ein unterstütztes Land seine Schulden nicht begleicht und der Fonds dadurch in Geldnot kommt. Durch die Hebelung steigt also die Gefahr an, dass im Ernstfall die gesamte Hilfssumme weg ist.

Euro-Krisenmechanismus ESM

Für Mitte 2013 ist eine Ersetzung des ESEF durch den Euro-Krisenmechanismus ESM geplant. Dieser soll dauerhaft und mit einem Barkapital von 80 Mrd. Euro sowie weiteren 620 Milliarden Euro in Form von Garantien ausgestattet sein. Deutschlands Anteil bei den Garantien beträgt 168 Milliarden Euro, beim barkapital sind es nicht ganz 22 Milliarden Euro. Kredite und Garantien, welche vom ESEF bis zu diesem Zeitpunkt vergeben wurden, sollen in den ESM übergehen – etwa die Staatsanleihen, die vom Übergangsfonds gekauft werden.

Der Ernstfall

Kommt es hart auf hart, fallen Kredite und Garantien aus. Dafür müssten Irland, Portugal und Griechenland allerdings nicht einmal mehr in der Lage sein, wenigstens einen Teil ihrer Schulden zu begleichen. Das kam bislang noch nicht vor, denn selbst im Fall einer Staatspleite sind Schuldbegleichungen zumindest teilweise noch möglich. Zudem wäre eine Verschärfung der Euro-Krise nötig, die den EFSF dazu zwingt, sein Arsenal vollständig auszuschöpfen und dabei noch Italien und Spanien durch Anleihenversicherungen zu stützen, wobei diese beiden Länder dann auch nicht mehr in der Lage sein dürften, ihre Kredite abzulösen.

Teuer für Deutschland

Eine derartige Epidemie von Staatspleiten in Europa käme die Bundesrepublik allerdings teuer zu stehen, denn durch die Bürgschaft würde das Top-Rating Deutschlands ins Wanken geraten. Neue Kredite würden teurer, da Investoren dafür höhere Zinsen nehmen würden. Zusätzlich hat die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen von Euro-Krisenländern von insgesamt nicht ganz 170 Milliarden Euro gekauft. Käme es zu einem vollständigen oder teilweisen Ausfall, wäre eine Rekapitalisierung der EZB durch ihre Eigner – die Euro-Länder – erforderlich. Dabei würde der Löwenanteil dann auf Deutschland entfallen.

(sr)

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