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Baldiges Ende der Euro-Krise?

08.11.2011 - 16:41

Der scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark beurteilte auf einer Konferenz in Luzern (Schweiz) die derzeitige Wirtschaftslage positiver, als Kanzlerin Angela Merkel es tut. Er rechnet fest damit, dass die europäische Schuldenkrise bereits nächstes Jahr gelöst sein wird. Höchstens zwei Jahre würde es laut Stark dauern, bis die Krise unter Kontrolle beziehungsweise gänzlich überwunden sei.

Die Bundeskanzlerin hatte hingegen noch am Wochenende davor gewarnt, ein schnelles Ende der Wirtschaftskrise zu erwarten. Da es Jahrzehnte gedauert habe, den Schuldenberg anzuhäufen, werde es mit Sicherheit noch ein weiteres Jahrzehnt dauern, diesen zu überwinden, so die Kanzlerin in ihrem Video-Podcast. Ob die Strategie der immer weiter zunehmenden Rettungspakte allerdings zum Erfolg führe, das bezweifelt Stark und meint darüber hinaus, dass dadurch auch aktuell noch stabile Länder belastet würden. Solide Staatsfinanzen seien der Schlüssel zur Krisenüberwindung, doch die Europäische Zentralbank befände sich nicht in der Lage, um diese Aufgabe zu übernehmen und sei außerdem gar nicht dazu befugt.

Reformen notwendig

Zur dauerhaften Förderung von Wachstum, Stabilität und Beschäftigung ist es laut Stark erforderlich, dass die Euro-Mitgliedsstaaten ihre Haushalte sanieren und Reformen zur Beschäftigungssteigerung durchführten. Diese Verantwortung könne ihnen durch die EZB nicht abgenommen werden. Dabei dürfe es nicht passieren, dass die Notenbank ihr Mandat überschreitet, denn demokratische Legitimation besitzt sie nur zum Zweck der Sicherung einer Preisstabilität, so Stark weiter. Deshalb wurde die EZB von politischem Einfluss unabhängig gestellt. Stark ist einer der größten Kritiker der Staatsanleihenkäufe durch die EZB, mit welchen indirekt Schuldenländer unterstützt wurden.

Rücktritt wegen Staatsanleihenkäufe

Allein letzte Woche erwarb die EZB entsprechende Papiere von überschuldeten Ländern mit einem Gegenwert von beinahe zehn Milliarden Euro. Damit erfasst die EZB in ihrer Bilanz nun Staatsanleihen von mehr als 180 Milliarden Euro. Diese stammen vorwiegend von Italien und Griechenland. Aufgrund dieser EZB-Käufe hatte Stark diesen September ganz überraschend seinen Rücktritt vom Direktorium der EZB bis zum Jahresende bekannt gegeben. Nachfolger Starks soll Jörg Asmussen werden, der bislang Staatssekretär im Finanzministerium war.

(sr)

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