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Das neue Schreckgespenst der Deutschen: Deflation

23.11.2013 - 16:00

Schon seit Jahrzehnten schwirrt das Inflationsgespenst in den Köpfen der deutschen Sparer umher - und auch die Euro-Krise und die damit einhergehende lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben nicht gerade dazu beigetragen, das Vertrauen der Bundesbürger in die Währungsstabilität zu stärken. So wurden massenhaft Häuser gebaut, Aktien gekauft und Goldbarren in den Safe gesperrt. Doch aktuell sieht die Lage ganz anders aus - von einer ausufernden Inflation ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen haben die Währungshüter nun ein ganz anderes Problem: Nämlich das einer drohenden Deflation.

Grund für die Sorge der EZB ist die extrem niedrige Inflationsrate im Euro-Raum. Im Vergleich zum Vorjahr waren die Preise zuletzt um lediglich 0,7 Prozent angestiegen. Bis zu einem Wert von knapp unter 2,0 Prozent sprechen die Notenbanker von Preisstabilität. Aus diesem Grund wurde der Leitzins am 7. November erneut auf ein historisches Tief von 0,25 Prozent gesenkt.

Viele Finanzdienstleister und Makler nehmen die düsteren Aussichten der EZB bereits zum Anlass, eine Vertriebskampagne mit vermeintlich deflationssicheren Anlageprodukten zu starten. Dabei gibt es insbesondere für deutsche Sparer derzeit noch gar keinen Grund, ihre Ersparnisse panisch neu zu anzulegen. Stattdessen ist es zunächst einmal wichtig, sich mit dem Thema Deflation gründlich auseinanderzusetzen.

Die Deflationsspirale ist ein echter Teufelskreis

Die lockere Geldpolitik soll die Konjunktur in der Euro-Zone ankurbeln.
Grundsätzlich bezeichnet Deflation einen Zustand in der Volkswirtschaft, der durch stetige Preissenkungen von Waren und Dienstleistungen geprägt ist. Das ist immer dann der Fall, wenn der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge eine zu geringe Geldmenge gegenübersteht. Konkret bedeutet das: Die Nachfrage ist geringer als das Angebot. Um überhaupt noch etwas zu verkaufen, senken Unternehmen und Dienstleister ihre Preise kontinuierlich ab. Infolgedessen passen sie natürlich auch ihre Gewinnerwartungen nach unten an und sehen sich gezwungen, weniger zu investieren und die Produktion – beispielsweise durch Kurzarbeit oder Entlassungen – einzuschränken.

Ein echter Teufelskreis – denn nun sind auch die Beschäftigten betroffen. Sie verdienen weniger oder verlieren sogar ihren Job, sodass die Arbeitslosenquote steigt. Dementsprechend haben die Betroffenen natürlich weniger Geld zur Verfügung und müssen unnötige Ausgaben vermeiden – was wiederum der der Wirtschaft schadet. Arbeitslosigkeit und Konsumeinschränkungen sorgen zudem dafür, dass die Steuereinnahmen des Staates sinken, die er sowohl aus der Einkommenssteuer als auch aus der Mehrwertsteuer bezieht. Da nun weniger Menschen arbeiten, fallen außerdem höhere Kosten für Sozialleistungen an.

Mit der Leitzinssenkung sollen die deflationären Tendenzen bekämpft werden

Euro-LandInflation Okt.'13
Estland2,2%
Finnland1,7%
Österreich1,5%
Niederlande1,3%
Deutschland1,2%
Slowenien1,1%
Luxemburg1,0%
Italien0,8%
Belgien0,7%
Frankreich0,7%
Slowakei0,7%
Malta0,5%
Portugal0,0%
Spanien0,0%
Irland-0,1%
Zypern-0,5%
Griechenland-1,9%
Dieses Szenario der Deflationsspirale macht deutlich, dass die Preisstabilität dringend gewahrt und einem kontinuierlichen Sinken der Preise vorgebeugt werden muss. Dies ist Aufgabe der EZB – und lediglich über eine Regulierung des Leitzinses möglich. Denn nur wenn sich die Banken zu niedrigen Zinsen Geld leihen können, sind sie auch in der Lage, die günstigen Konditionen in Form von Krediten an die Wirtschaft weiterzugeben. Das daraus resultierende Wirtschaftswachstum führt wiederum zu einem Absinken der Arbeitslosenquote, höheren Löhnen und einer dementsprechend größeren Kaufkraft.

Dennoch gehen die Ansichten über die vergangene Leitzinssenkung bei Ökonomen stark auseinander. Sogar innerhalb der EZB sind sich nicht alle Notenbanker einig, ob jetzt tatsächlich die richtige Zeit ist, noch mehr Geld zu drucken. Dementsprechend handelte es sich keinesfalls um eine einstimmige Entscheidung.

Wenig überraschend waren dabei die Stimmen der beiden deutschen Vertreter, die sich gegen eine Senkung aussprachen. Denn lediglich hoch verschuldete Länder wie Griechenland oder Italien haben unter der Deflation von Anfang an besonders stark zu leiden, da es mit dem sinkenden Einkommen der Menschen immer schwerer wird, die Schulden zurückzuzahlen. Denn solange diese nicht ausartet, profitieren Länder wie Deutschland – in denen viel gespart wird und dementsprechend viel Vermögen vorhanden ist – zunächst einmal von einer Deflation. Das hat den einfachen Grund, dass das Kapitalvermögen an Wert gewinnt. Folglich können sich die Menschen mit ihren Ersparnissen morgen viel mehr kaufen als heute.

(fr)

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