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Banken führen die Kirchensteuer künftig automatisch ab

29.01.2014 - 08:00

Dass Kapitalerträge ab einer bestimmten Höhe neben der Abgeltungssteuer auch der Kirchensteuer unterliegen, ist den meisten Sparern bekannt. Dass die Kirchensteuer von den Banken künftig automatisch eingezogen wird, ist allerdings neu. Die Kreditinstitute fragen beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) fortan einmal jährlich die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden ab und lassen die Kirchensteuer auf Kapitalerträge gegebenenfalls direkt dem zuständigen Finanzamt zukommen.

Dom in Köln: Banken fragen künftig beim Bundeszentralamt für Steuern die Religion ihrer Kunden ab.
Die Kunden haben zwar die Möglichkeit, der Weitergabe der Information zu widersprechen - um die Steuerpflicht kommen sie dadurch aber nicht herum. Die Grenze verläuft bei 801 Euro: Wer in einem Jahr Kapitalerträge verbucht, die unter dieser Summe liegen, muss keine steuerlichen Abzüge hinnehmen.

Voraussetzung dafür ist, dass der Sparer den Banken, bei denen er Geld angelegt hat, Freistellungsaufträge erteilt. Bei Verheirateten beläuft sich der Freibetrag auf 1.602 Euro.

Übersteigen die Einnahmen aus Kapitalanlagen die entsprechende Marke jedoch, wird auf den Teilbetrag, der darüber liegt, die sogenannte Abgeltungssteuer fällig. Zusätzlich wird auf diese Steuer ein Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent erhoben, wodurch sich der Steuersatz von 26,38 Prozent erhöht.

Sofern ein Sparer Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft ist, wird auf die Abgeltungssteuer auch noch die Kirchensteuer aufgeschlagen. Diese beträgt in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent, in den übrigen Bundesländern neun Prozent.

Die Kirchensteuer wird fortan automatisch einbehalten

Um die Kirchensteuer zu bezahlen, hatte ein Bankkunde bisher zwei Möglichkeiten. Entweder er teilte dem Geldhaus seine Religionszugehörigkeit mit. In diesem Fall führte die Bank die Kirchensteuer wie die Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab. Oder er erfüllte seine Steuerpflicht direkt gegenüber der Behörde. Hierfür musste er die entsprechenden Informationen in der Einkommenssteuererklärung angeben.

Das ändert sich nun. Banken fragen fortan einmal im Jahr beim Bundeszentralamt für Steuern die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden ab. Sofern die jeweilige Person Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft ist, führt das Geldhaus die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch an das zuständige Finanzamt ab. Gehört der Kunde keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft an, meldet das Amt einen Nullwert – in diesem Fall zieht die Bank keine Kirchensteuer von den Erträgen ab.

Banken fragen ab 1. September die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden ab

Zum ersten Mal erheben die Kreditinstitute im Zeitraum vom 1. September 2014 bis 31. Oktober 2013 die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden. Das neue Abzugsverfahren soll dann bei Kapitalerträgen, die ab dem 1. Januar 2015 ausbezahlt werden, zur Anwendung kommen.

Sofern ein Kunde keine Weitergabe von Informationen über seine Religionszugehörigkeit durch das BZSt wünscht, kann er dies verhindern. Voraussetzung dafür ist, dass er bei der Behörde einen sogenannten Sperrvermerk einlegt. Dieser kann entweder mithilfe eines Vordrucks des BZSt (abrufbar auf der Homepage) eingereicht oder elektronisch über das Online-Portal der Behörde beantragt werden. Der Kunde muss hierbei seine steuerliche Identifikationsnummer, seinen Vor- und Nachnamen, sein Geburtsdatum und seine Anschrift angeben. Die steuerliche Identifikationsnummer kann unter anderem dem Einkommensteuerbescheid oder der Lohnsteuerbescheinigung entnommen werden.

Sperrvermerke sollten bis 30. Juni eingelegt werden

Der Sperrvermerk ist spätestens zwei Monate vor dem Datum des Abrufs des Merkmals der Religionszugehörigkeit beim BZSt einzulegen, damit er rechtzeitig verarbeitet werden kann. Da die Banken in diesem Jahr am 1. September mit den Abfragen beginnen, muss der Sperrvermerksantrag spätestens am 30. Juni beim BZSt eingegangen sein. In der Folge gilt der Vermerk bis zu einem möglichen Widerruf des Anlegers.

Die Steuerpflicht bleibt auch bestehen, wenn ein Sperrvermerk eingelegt wurde – allerdings ändert sich das Verfahren: Das BZSt teilt in diesem Fall dem für den Bankkunden verantwortlichen Finanzamt mit, welche Kreditinstitute bezüglich seiner Religionszugehörigkeit angefragt haben. Dieses setzt dann die Kirchensteuer für den Anleger fest – er muss somit eine Einkommenssteuererklärung abgeben und seiner Steuerpflicht gegenüber der Behörde nachkommen.

(bb)

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