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Trifft die Russland-Krise jetzt deutsche Sparer?

12.01.2015 - 12:00

Insgesamt 2,2 Prozent Zinsen bekommen Kunden der Sberbank Direct auf ihr Festgeldkonto mit dreijähriger Laufzeit − 1,3 Prozent Zinsen gibt es aufs Tagesgeld. Das sind vor allem in Anbetracht des derzeit herrschenden Niedrigzinsumfelds sehr lukrative Zinsen. Doch viele Anleger denken beim Namen Sberbank an die größte Bank Russlands und haben deshalb Bedenken, ihr Geld bei einer ihrer europäischen Töchter anzulegen. Sind diese Bedenken begründet oder nicht?

Im Oktober 2014 ging die Sberbank Direct in Deutschland an den Start. Sie ist eine Tochter der Sberbank Europe AG mit Sitz in Österreich. Die Muttergesellschaft dieser Banken ist die staatliche Sberbank Russia – ihres Zeichens die größte Bank Russlands. Bei der deutschen VTB Direktbank verhält es sich ähnlich. Sie ist ebenfalls eine Tochter der österreichischen VTB Bank, hinter der wiederum das zweitgrößte russische Geldinstitut, die VTB, steht. Inwiefern betrifft nun die von verschiedenen Medien des Öfteren so betitelte „Russland-Krise“ die beiden deutschen Online-Banken?

Europäische Tochterbanken von Russland-Sanktionen ausgenommen

Die Sberbank Russia sitzt in Moskau, ihre europäische Tochter, Sberbank Europe AG, in Wien.
Von der Russland-Krise sind die Sberbank Direct und die VTB Direktbank derzeit nicht betroffen. Denn bei ihnen handelt es sich streng genommen nicht um russische Institute, sondern um europäische. Als solche sind sie auch von den Sanktionen ausgeschlossen, die die EU nach der Annexion der Krim gegen Russland verhängt hat. Sie beziehen sich auf den Wirtschafts- und Bankensektor.

Russischen Banken ist es derzeit nicht gestattet, sich am ausländischen Geldmarkt mit Devisen, also mit ausländischer Währung, zu versorgen. Im Zuge dessen dürfen auch die Anlagen, die deutsche Sparer der Sberbank Direct und der VTB Direktbank anvertraut haben, nicht nach Russland gelangen. Der Zugang zu westlichem Geld ist russischen Banken verweigert, sodass die Anschaffung frischen Kapitals beziehungsweise das Tilgen von Krediten schwieriger wird.

Die Sanktionen und ihre Konsequenzen führen unter anderem dazu, dass Russlands Devisenvorräte schwinden. Laut der russischen Zentralbank seien sie Ende Dezember auf den tiefsten Stand seit 2009 geschrumpft, der Staat besitze allerdings immer noch 398,3 US-Milliarden Dollar an ausländischen Währungsreserven. Im September 2014 lag deren Stand jedoch noch bei 454,2 Milliarden US-Dollar. Das Schwinden der Vorräte erklärt sich durch den Banken-Run, der in der jüngsten Vergangenheit in Russland stattgefunden hat.

Aufgrund der westlichen Sanktionen, aber vor allem wegen des seit Sommer 2014 stark gesunkenen Ölpreises schrumpft die hauptsächlich auf Öl- und Gasförderung fußende russische Wirtschaft. Doch nicht nur das, sondern auch der Wertverlust des Rubels macht den Russen zu schaffen. Deswegen tauschen sie ihr Geld entweder in stabilere ausländische Währungen oder investieren es in Immobilien oder Güter.

Dass die Russen ihr Geld von den heimischen Banken abziehen, bringt diese in Bedrängnis. Bisher haben bereits die Großbank Trust, die drittgrößte Bank Russlands Gazprombank, und die VTB Hilfsmittel vom Staat bekommen. Ende Dezember hatte Ministerpräsident Dmitri Medwedew eine Kapitalspritze von einer Billion Rubel – das sind knapp 14 Milliarden Euro – für die Bankenbranche freigegeben.

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Sberbank Direct und die VTB Direktbank sind europäische Banken, deshalb achtet die österreichische Bankenaufsicht streng darauf, dass deren Gelder nicht nach Russland gelangen. Finanzspritzen vom russischen Staat haben ausschließlich die russischen Muttergesellschaften von einigen wenigen europäischen Tochterbanken erhalten.

Im Insolvenzfall greift die österreichische Einlagensicherung

Wie sieht es mit der Sicherheit des eigenen Ersparten aus, wenn man es bei der Sberbank Direct oder der VTB Direktbank angelegt hat? Was würde im Falle einer Insolvenz der beiden Bankinstitute passieren?

Der Rubel ist in letzer Zeit großen Wertschankungen ausgesetzt.

Würden sowohl die Sberbank Direct als auch die VTB Direktbank insolvent gehen, würden alle, die nicht mehr als 100.000 Euro bei diesen Banken angelegt haben, ihr Geld innerhalb von 20 Werktagen wiederbekommen. Das garantiert die österreichische Einlagensicherung. Jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union ist per Gesetz dazu verpflichtet, abzusichern, dass Sparer ihr Geld (bis zu 100.000 Euro pro Anleger und Bank) innerhalb einer Frist (derzeit 20 Werktage) nach einer Bankenpleite zurückbekommen - das garantiert die europäische Einlagensicherung.

Aus derzeitiger Sicht sehen Finanzexperten keinen Grund, um an der Tragfähigkeit der österreichischen Einlagensicherung zu zweifeln, sodass auch das Ersparte, das man bei der Sberbank Direct oder der VTB Direktbank angelegt hat, weiterhin als sicher angesehen werden können. Auch die Stiftung Warentest hat im vergangenen Sommer im Hinblick auf die Einlagensicherung alle Banken aus den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Schweden und dem Vereinigten Königreich ohne Einschränkung empfohlen.

Bevor man ein Finanzprodukt abschließt, ist es wichtig sich darüber zu informieren, ob das Ersparte durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt ist. Bei Tages- und Festgeldkonten von europäischen Banken ist das in der Regel immer der Fall, aber um ganz sicher zu gehen, sollte man es stets vor dem Vertragsabschluss überprüfen. Im Festgeldkontenvergleich von CHECK24 werden alle wichtigen Informationen zur Einlagensicherung bei jedem Festgeldanbieter genannt.

Um aber noch einmal zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Einlagen bei der Sberbank Direct und der VTB Direktbank sind derzeit laut Finanzexperten sicher angelegt. Es wird derzeit auch nicht dazu geraten, Geld – vor allem von Festgeldkonten – abzuziehen. Denn Kündigungen vor dem Ende der Laufzeit gehen meistens mit einem Zinsverlust und manchmal auch mit Gebührenzahlungen einher.

(lsc)

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