0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Festgeldkonto im Ausland: Was sollten Anleger beachten?

02.07.2014 - 17:59

Im EU-Mitgliedsstaat Bulgarien tobt eine Bankenkrise. Am Montag teilte die Europäische Kommission Medienberichten zufolge mit, dass das Land mit rund 1,7 Milliarden Euro unterstützt wird. Was bedeutet diese Krise für Deutsche, die ihr Geld auf einem bulgarischen Festgeldkonto angelegt haben? Und worauf sollten Verbraucher generell bei der Geldanlage im Ausland achten?

Die Bankenkrise in Bulgarien nahm Ende Juni dieses Jahres ihren Anfang, weil Kriminelle über das Internet und per SMS Falschinformationen über die Liquidität bestimmter Banken verbreiteten. Bankkunden sollten dazu bewegt werden, ihre Geldanlagen bei den Kreditinstituten abzuziehen. Die Taktik der inzwischen verhafteten Personen ging auf und es kam zu einem sogenannten Bank Run: Kunden zogen in Massen ihr Geld ab, vor allem die zwei großen Bankhäuser First Investment Bank (Fibank) und die Corporate Commercial Bank waren betroffen.

Bankenkrise in Bulgarien: Rund 2.000 deutsche Anleger betroffen

Innerhalb von kürzester Zeit haben Bankkunden Medienberichten zufolge bei der bulgarischen Fibank 500 Millionen Euro abgehoben. Daraufhin entschied die Europäische Kommission am Montag, das bulgarische Bankensystem mit Geld zu versorgen – und genehmigte einen Kredit in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Die bulgarische Zentralbank gab kurz danach bekannt, dass der bulgarische Banksektor zu seiner normalen Funktionsfähigkeit zurückgekehrt sei.

Die Fibank hatte zuvor in Deutschland mit exklusiven Zinssätzen aufs Festgeld geworben: 2,5 Prozent Zinsen gab es für Festgeldkonten mit einjähriger Laufzeit, 3,3 Prozent bei einer dreijährigen Anlagedauer. Etwa 2.000 deutsche Kunden haben das Angebot in Anspruch genommen und Geld bei dem bulgarischen Geldhaus angelegt. Seit Sonntag ist das Angebot der Fibank in Deutschland vorübergehend nicht mehr erhältlich.

Worauf sollte man bei einer Anlage im Ausland achten?

Geld anlegen im Ausland: Was sollten deutsche Sparer beachten?
Es spricht generell nichts gegen eine Geldanlage im Ausland. Oftmals bieten ausländische Direktbanken die besten Zinsen. Das geht auch aus einer Untersuchung der Verbraucherorganisation Stiftung Warentest vom Mai dieses Jahres hervor. Prüft man die aktuellen Angebote in einem Festgeldvergleich stellt man schnell fest: Die ausländischen Direktbanken sind Spitzenreiter.

Legt man etwa eine dreijährige Laufzeit zugrunde, bieten die russische VTB und die französische Crédit Agricole Consumer Finance derzeit (Stand: 2. Juli 2014) einen Zinssatz von 2,1 Prozent. Die beste deutsche Bank im Vergleich ist die Creditplus Bank. Sie liegt mit einem Zinssatz von 1,7 Prozent erst auf dem vierten Platz.

Doch Verbraucher sollten bei der Beantragung eines Festgeldkontos nicht allein den Zinssatz im Auge haben, sondern sich im Vorfeld auch über die jeweiligen Einlagensicherungssysteme informieren. Grundsätzlich sind EU-weit Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro über die europäische Einlagensicherung geschützt.

Allerdings, so die Stiftung Warentest, könnte es beispielsweise in Ländern wie Bulgarien, Lettland oder Estland dazu kommen, dass Sparer länger als die vorgesehenen 20 Werktage auf ihr Geld warten müssen.Das ist auch der Grund weshalb die Verbraucherorganisation die Geldanlage bei der First Investment Bank, kurz Fibank, im Mai dieses Jahres nicht empfahl – obwohl der Zinssatz mit 2,9 Prozent mit Abstand am höchsten lag.

Im konkreten Fall könnte der Sicherungsfonds Bulgariens nach Ansicht der Experten der Stiftung Warentest nicht genügend Einlagen enthalten. Das würde bedeuten, dass der bulgarische Staat in diesem Fall für die Guthaben haften müsste. Ist das nicht möglich, müsste die Europäische Union einspringen. Die Abwicklung könnte nach Einschätzung der Verbraucherorganisation allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen.

Aus diesem Grund sollten Verbraucher darauf achten, ihr Geld bei jenen ausländischen Direktbanken anzulegen, deren Einlagensicherung sie vertrauen. Stiftung Warentest empfiehlt beispielsweise die Einlagensicherung der Niederlande, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Schweden und des Vereinigten Königreichs ohne Einschränkung. In Deutschland sind die Einlagen der Kunden ohnehin bis zu einer Höhe von 100.000 gesetzlich und Beträge darüber hinaus über die freiwillige Einlagensicherung geschützt.

(bm)

Weitere Artikel: