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Festgeld: Welche Auswirkungen hat ein negativer Einlagezins?

05.06.2014 - 13:56

Die Europäische Zentralbank senkt erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 1998 den Einlagezins in den negativen Bereich. Dies gilt als eines der größten Experimente in der Geschichte der Notenbank und der 1999 eingeführten Währung Euro. Bislang konnten die europäischen Banken ihr Geld kostenlos bei der EZB deponieren. Wenn Geldhäuser künftig für die Einlage zahlen müssen, haben vor allem die Sparer die Folgen zu tragen.

Bislang wagten sich nur kleinere Länder wie beispielsweise Dänemark an einen solchen Strafzins. Aus diesem Grund gibt es kaum Erfahrungen mit einem negativen Einlagezinssatz. Zwischen 2012 und 2014 setzte das Königreich Dänemark seinen Einlagezinssatz ins Minus, dem skandinavischen Land half diese geldpolitische Maßnahme, die Währung schwach und die Exporte hoch zu halten. Genau aus diesem Grund hat nun auch die Europäische Zentralbank den Einlagezinssatz in den negativen Bereich auf minus 0,10 Prozent gesenkt: Eine weitere Aufwertung des Euros soll dadurch verhindert werden. Denn der starke Euro macht Importe billiger – das wiederum senkt die Inflationsrate weiter. Das oberste Ziel der EZB - die Preisstabilität - soll damit gewährtleistet werden.

Was der Negativzins bewirken soll

Die Inflationsrate in der Eurozone ist mit 0,5 Prozent derzeit bedrohlich niedrig.
Ein negativer Einlagezinssatz ist eine Strafgebühr für das Deponieren von Geld bei der EZB. Die Idee hinter dem negativen Einlagezinssatz ist ein sogenanntes Schwundgeldsystem: Wer sein Geld nicht ausgibt, wird mit einem negativen Einlagezins bestraft. Das soll bewirken, dass das Geld von Privatpersonen, Unternehmen und Banken in Umlauf gebracht wird und dadurch die Wirtschaft stimuliert und das Wachstum fördert.

Obwohl der Leitzins bereits vor der heutigen Leitzinssenkung mit 0,15 Prozent auf einem Rekordtief lag, gaben die Geschäftsbanken das Geld nicht an Privatpersonen und Unternehmen weiter. In Spanien beispielsweise sank die Kreditvergabe im vergangenen Jahr um elf Prozent im Vergleich zu 2012, bei slowenischen Banken sogar um 17 Prozent.

Ein negativer Einlagezins gilt als eines der letzten Mittel, um die Kreditvergabe zu befeuern. Selbst Bundesbank-Präsident und EZB-Direktoriumsmitglied Jens Weidmann – lange Zeit Gegner einer solchen geldpolitischen Maßnahme - befürwortet Medienberichten zufolge nun den Negativzins. Wenn Banken Zinsen dafür zahlen müssen, dass sie ihr Geld beim Eurosystem parken, dann könne das unter anderem den Geldmarkt zwischen den Banken beleben und damit auch die Kreditvergabe an Unternehmen anregen, sagte Weidmann der Süddeutschen Zeitung.

Was bedeutet der negative Einlagezinssatz für Sparer

Welche Auswirkungen hat der Negativzins für Sparer? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Während die einen den negativen Einlagezins als eine Art Sparersteuer bezeichnen, wählen die anderen deutlichere Worte und sprechen von Enteigung - so beispielsweise auch Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon. Schon jetzt entgehen den deutschen Sparern durch die niedrigen Zinsen jährlich rund 15 Milliarden Euro – etwa 200 Euro pro Kopf, kritisiert Fahrenschon. Von den Minizinsen sind hohe Einlagen betroffen: Im März 2014 hatten die Bundesbürger nach Angaben der Deutschen Bundesbank etwa 1,8 Billionen Euro gebunkert, etwa 1,2 Billionen davon auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten.

Eine weitere Zinssenkung und ein negativer Einlagezinssatz könnten nach Meinung einiger Finanzexperten weitreichende Auswirkungen auf Sparer haben. Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, befürchtet etwa einen weiteren Rückgang der Anlagezinsen, sodass die Ersparnisse von der Inflation schier aufgefressen würden. Die Bedenken des Financial-Times-Redakteurs Chris Giles gehen sogar noch weiter: Der negative Einlagezinssatz könnte dazu führen, dass selbst Sparer, Haushalte und Unternehmen dafür bezahlen müssten, Geld bei ihrer Bank anzulegen. Der Chef der Verbraucherzentralen Klaus Müller warnte Privatbanken davor, einen negativen Zinssatz an die Kunden weiterzugeben, denn das könne ein noch stärkerer Anreiz für Verbraucher sein, in spekulative Anlagen zu gehen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, gibt hinsichtlich dieser Befürchtung gegenüber der FAZ Entwarnung. Mit negativen Zinsen im Kundengeschäft sei bei seinen Geldinstituten nicht zu rechnen, so Fröhlich.

Verbraucher, die ihr Geld sparen, statt es direkt auszugeben, werden aktuell also "bestraft". Nach Meinung von Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon führt das zu erheblichen Lücken in der Altersvorsorge – und das in einer dramatisch alternden Gesellschaft. Die Sparquote der Deutschen könnte ein Hinweis auf die Auswirkungen der Minizinsen sein: Zu Beginn der 90er-Jahre lag der Anteil von Ersparnissen an den Einnahmen noch bei 13 Prozent, seit dem Jahr 2008 ging die Quote kontinuierlich nach unten und lag im Jahr 2013 bei lediglich zehn Prozent. Fahrenschon hält diesen Wert für gefährlich niedrig. Eine Sparquote von zehn Prozent sei mindestens nötig, um genügend Altersvorsorge in einer sich demographisch wandelnden Gesellschaft zu betreiben.

Wie legt man Ersparnisse jetzt am besten an?

Gerade jetzt sollten Verbraucher darüber nachdenken, wie sie ihr Geld am besten anlegen können. Die größte Rendite bringen aktuell beispielsweise Aktien - diese Geldanlage ist jedoch sehr riskant. Festgeld ist eine sichere Alternative, die auch die Inflation von aktuell 0,9 Prozent in Deutschland noch schlagen kann. Über einen unabhängigen Vergleich finden Verbraucher innerhalb weniger Augenblicke das beste Angebot. Zinssätze von bis zu 2,4 Prozent sind möglich und über die gesamte Laufzeit der Anlage garantiert.

Tipp: Auf diese Lockangebote sollten Sie bei der Geldanlage nicht hereinfallen

(bm)

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