0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Wie der Euribor Ihre Festgeld-Zinsen beeinflusst

06.02.2013 - 18:45

Die European Interbank Offered Rate - kurz Euribor - ist seit 2011 vor allem wegen negativer Schlagzeilen bekannt geworden: Einigen europäischen Banken, darunter die Deutsche Bank, Commerzbank und die LBBW wird die Manipulation des Zinssatzes vorgeworfen. Doch der Euribor ist kein abstraktes Finanzkonstrukt der Banken, sondern hat entscheidenden Einfluss  auf die Spareinlagen und Kredite von Verbrauchern.

Laut Definition ist der Euribor der durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld für einen längeren Zeitraum leihen. Im Prinzip ist er also der Einkaufspreis für Banken bei Krediten. Da die Laufzeiten dieser Finanzgeschäfte unterschiedlich lang sein können, gibt es je nach Laufzeit des Kredites 15 verschiedene Euribor-Zinssätze.

Wie wird der Euribor festgelegt?

Seit der Einführung des Euro im Jahr 1999, geben derzeit 43 europäische Banken, darunter die Deutsche Bank, Commerzbank und die LBBW, täglich bis 10.45 Uhr ihre Angebotssätze für den Zins an den Konzern Thomas Reuters. Dieser veröffentlicht den gültigen Wert des Euribor um elf Uhr deutscher Zeit. Die jeweils höchsten und niedrigsten 15 Prozent der gemeldeten Zinssätze werden bei der Ermittlung des Euribor nicht berücksichtigt. So soll verhindert werden, dass Zinsausreißer den Markt verfälschen. Neben den Angebotssätzen der Banken fließen in die Festsetzung des Zinssatzes unter anderem das Wirtschaftswachstum im Euroraum, die Inflationsrate und das gegenseitige Vertrauen der Banken ein.

Zu einer Manipulation des Euribor konnte es kommen, da verschiedene Banken sich untereinander bei der Abgabe Ihrer Angebotssätze abgesprochen hatten. Die Banken versuchten, den Euribor während der Wirtschaftskrise möglichst niedrig zu halten. Durch den niedrigen Zins, konnten die Kreditinstitute sich während der Finanzkrise in ein gutes Licht rücken. Eine Bank, die sehr hohe Kreditzinsen bei anderen Banken bezahlt, erweckt den Eindruck in einer Notlage zu sein. Dadurch, dass die Kreditinstitute behaupteten niedrigere Zinsen am Markt zu zahlen als es eigentlich der Fall war, erweckten sie einen soliden und gesunden Zustand.

Die Zinsmanipulation hatte nicht nur Einfluss auf die Außenwirkung der Banken, sondern auch auf die Ersparnisse der Privatkunden. Aufgrund des zu niedrig ausgegebenen Euribor-Kurses haben Sparer für ihre Einlagen weniger Zinsen erhalten, als sie eigentlich hätten bekommen müssen.

Wie beeinflusst der Euribor Tages- und Festgeldzinsen?

Der Euribor ist ein sogenannter Referenzzinssatz, mit dem Verbraucher bei einigen Finanzgeschäften in Europa in Berührung kommen: Beim Sparen und Leihen von Geld. Er ist entscheidend für die Zinsen von Hypotheken und kurzfristigen Krediten aber auch für Tages- und Festgeldanlagen.

Wenn die Bank sich neues Geld beschaffen möchte, hat sie mehrere Möglichkeiten: Sie kann es sich beispielsweise bei einer anderen Bank oder bei den Spareinlagen Ihrer Kunden besorgen. Für die Bank ist es lukrativer, sich das Geld bei den Spareinlagen der Kunden zu besorgen. Sparer erhalten für ihre Einlagen einen niedrigeren Zinssatz als den Euribor. Die Bank zahlt den Kunden also geringe Zinsen, kann das Geld aber zu höheren Zinsen, nämlich dem wirklichen Euribor-Kurs, an eine andere Bank weiterverleihen. Die Differenz zwischen den Sparzinsen und dem Euribor ist die Gewinnspanne der Bank.

Sinkt nun der Euribor, wird die Bank auch die Sparzinsen senken, um Ihre Gewinnspanne nicht zu schmälern. Analog heben sie die Sparzinsen bei einem hohen Euribor-Kurs an. Diese Anpassung des Sparzinses findet aber mit zeitlicher Versetzung und meist nur bei größeren Veränderungen des Euribor statt. Aus diesem Mechanismus kann man als Verbraucher lernen, dass es am rentabelsten ist, einen Kredit bei niedrigem Euribor aufzunehmen. Hat der Euribor einen hohen Wert, lohnt es sich ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto zu eröffnen.

(as)

Weitere Artikel: