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Das ändert sich im neuen Jahr für Sparer (Teil 1): Einlagensicherungsgrenzen werden gesenkt

12.11.2014 - 12:00

Schon nächste Woche werden viele Sparer in Deutschland Post von ihrer Bank erhalten, denn die freiwillige Einlagensicherungsgrenze wird ab Januar 2015 herabgesetzt. Was bedeutet das für die Einlagen auf Tagesgeld- und Festgeldkonten?

Das Einlagensicherungssystem in Deutschland blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bis die Ersparnisse – wie heute der Fall - gesetzlich bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesichert waren, war es ein langer Weg. An der gesetzlichen Einlagensicherung wird sich auch so schnell nichts ändern – die freiwillige Einlagensicherung hingegen wird ab Januar 2015 reduziert.

So funktioniert die freiwillige Einlagensicherung in Deutschland

Über die gesetzliche Einalagensicherung hinaus sind die Ersparnisse bei über 170 Banken in Deutschland zusätzlich freiwillig abgesichert.
Ersparnisse, die über der gesetzlichen Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro liegen, sind bei zahlreichen Banken in Deutschland zusätzlich geschützt. Dafür sorgt die sogenannte freiwillige Einlagensicherung. Über 170 Banken in Deutschland sind freiwillig Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Bank, kurz BdB. Die Höhe dieser freiwilligen Sicherung wird anhand des haftenden Eigenkapitals eines Geldinstituts festgelegt und ist daher von Bank zu Bank verschieden.

Momentan sind in Deutschland Kundeneinlagen in Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank geschützt. Das führt zu scheinbar absurden Summen: Die Sicherungsgrenze der Deutschen Bank beispielsweise lag im April 2014 bei rund 12,6 Milliarden Euro pro Kunde und stieg bis Oktober 2014 sogar auf knapp 14 Milliarden Euro. Derartige Summen können nach Ansicht von Experten im Falle einer systemischen Finanzkrise oder der Pleite einer Großbank kaum abgefangen werden. Schätzungen zufolge liegen derzeit etwa fünf Milliarden Euro im Sicherungsfonds - auf deutschen Sparkonten jedoch knapp zwei Billionen Euro.

Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken besteht seit dem Jahr 1976. Aufgrund zahlreicher Änderungen im Finanzsystem und neuen Anforderungen an die Banken – beispielsweise dem Stresstest der Europäischen Zentralbank – verfügen Banken heutzutage über deutlich mehr Eigenkapital als noch vor knapp 40 Jahren. Aus diesem Grund ist eine Herabsetzung der Sicherungsgrenzen aus den Augen vieler Experten lediglich eine Anpassung an eine veränderte Realität.

Für Privatanleger lohnt es sich, genau hinzusehen. Denn die Einlagensicherungsgrenze der Deutschen Bank in Höhe von 14 Milliarden Euro beispielsweise gilt nicht für Privatanleger: Für sie ist die Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden Aktiengesellschaft, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, zuständig. Die Einlagensicherung dieser Tochtergesellschaft liegt aktuell bei knapp 825 Millionen Euro.

Was Verbraucher zudem beachten sollten: Banken, die der freiwilligen Einlagensicherung des Bankenverbandes neu beitreten, haben in den ersten zwei Jahren nach Neueintritt lediglich eine Sicherungsgrenze in Höhe von 250.000 Euro pro Kunde. Das bestätigte ein Pressesprecher des Bankenverbandes gegenüber CHECK24.

Was ändert sich für Sparer ab dem 1. Januar 2015?

Ab dem 1. Januar 2015 wird die Sicherungsgrenze der freiwilligen Einlagensicherung auf 20 Prozent des Eigenkapitals herabgesetzt. Stufenweise soll sie bis zum Jahr 2025 sogar auf nur mehr 8,75 Prozent reduziert werden. Bei Großbanken wie etwa der Deutschen Bank wären dann noch immer Milliardenbeträge abgesichert: Geht man von einer gleichbleibenden Höhe des haftenden Eigenkapitals aus, wären im Jahr 2025 noch immer 9 Milliarden Euro pro Kunde sicher.

Im Kreditwesengesetz ist geregelt, dass eine Bank in Deutschland mindestens fünf Millionen Euro Eigenkapital aufweisen muss. Dementsprechend sind – egal bei welcher der Mitgliedsbanken des BdB – derzeit mindestens 1,5 Millionen Euro pro Kunde abgesichert, bis zum Jahr 2025 sind es durch die Absenkung der Sicherungsgrenze noch mindestens 437.500 Euro pro Kunde und Bank.

Infografik: Herabsetzung der Sicherungsgrenzen

Infografik: Herabsetzung der Sicherungsgrenzen
CC-BY-ND
Diese Infografik darf unter Nennung des Autors (www.check24.de) vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht und kommerziell verwendet werden. Das Werk und dessen Inhalt dürfen nicht bearbeitet, abgewandelt oder in einer anderen Weise verändert werden.
Die freiwillige Einlagensicherung ist – wie der Name schon verrät – eine freiwillige Selbstverpflichtung der Banken. Kunden haben daher kein Recht auf eine Rückerstattung der Ersparnisse, die Banken tun dies freiwillig. Der Bundesverband der Banken betont auf Anfrage von CHECK24, dass in über 30 Jahren mit mehr als 30 abgewickelten Banken noch kein Kunde in Deutschland jemals leer ausgegangen wäre.

Übrigens: Wer sich unsicher ist, wie hoch die Sicherungsgrenze bei einer deutschen Bank tatsächlich ist, kann diese ganz einfach und bequem über das vom Bundesverband der Banken dafür zur Verfügung gestellte Formular abfragen. In der Regel erhalten Interessenten innerhalb eines Werktages die gewünschte Information per E-Mail zugesandt.

Darauf sollten Sie bei einem Tagesgeld- und Festgeldkonto achten

Neben dem Zinssatz ist selbstverständlich auch die Einlagensicherung eines Tagesgeld- oder Festgeldkontos ein wichtiges Kriterium. Denn das Ersparte soll schließlich sicher sein. Oftmals bieten ausländische Direktbanken bei Festgeld und Tagesgeld die besten Zinssätze. Generell spricht nichts dagegen, bei einer Bank im europäischen Ausland sein Geld anzulegen.

Die Stiftung Warentest beispielsweise empfiehlt alle Banken aus den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Luxemburg, Schweden und dem Vereinigten Königreich ohne Einschränkung. Anders als Staaten wie etwa Griechenland, Spanien oder Italien seien diese Länder wirtschaftlich stabil. Zwar sind europaweit 100.000 Euro pro Anleger und Bank gesetzlich gesichert. Die nationalen Einlagensicherungssysteme so mancher EU-Länder werden von der Verbraucherorganisation kritisch beurteilt. Der Grund: Käme es beispielsweise in Ländern wie Lettland, Estland und Bulgarien zu einer Bankenpleite, müssten Verbraucher möglicherweise länger als die eigentlich vorgesehenen 20 Werktage auf den Rückerhalt ihrer Ersparnisse warten. Das sollten Verbraucher bei der Entscheidung für ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto in jedem Fall beachten.

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(bm)

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