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Kommentar zur Teldafax-Pleite: Insolvenz lässt Kunden um Vorauszahlungen bangen

15.06.2011 - 18:16

Es ist die größte Pleite seit der Liberalisierung der Energiemärkte: Der Billiganbieter Teldafax musste Insolvenz anmelden. Das ist bitter für die Kunden, die um ihre Vorauszahlungen bangen müssen. Und für die Mitarbeiter, deren Jobs wackeln. Ein Grund, nicht zu einem Alternativanbieter zu wechseln, darf es aber nicht sein. Eine Lehre aus dem Debakel sollte stattdessen eine bessere Handhabe für die Aufsichtsbehörden sein, um die Verbraucher stärker zu schützen.

Lange wurde bei Teldafax gezittert, gehofft und auf immer neue Sanierungsbemühungen verwiesen - sie sind am 14. Juni um 13.38 Uhr mit dem Insolvenzantrag an das Bonner Amtsgericht gescheitert. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter hat in der Troisdorfer Unternehmenszentrale das Ruder übernommen. Er will Teldafax zwar retten. Für die 600 Mitarbeiter heißt es jetzt aber erst einmal: Bangen um den Arbeitsplatz.

Sorgen um Vorauszahlungen und Kaution

Auch für die Kunden kann es unangenehm werden. Viele von ihnen haben ihre Gas- und Stromrechnung für ein Jahr im Voraus bezahlt oder eine Kaution bei Teldafax hinterlegt. Es ist offen, wie viel sie von ihrem Geld wiedersehen werden. Ansprüche müssen nun beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Fein raus ist nur, wer in jüngster Zeit per Lastschrift zahlen konnte: Abbuchungen der vergangenen sechs Wochen können von der Bank zurückgebucht werden.

In einem Punkt sind die Verbraucher wenigstens gut abgesichert: Gas und Strom werden auf keinen Fall abgestellt. Notfalls springt der örtliche Grundversorger ein und übernimmt die Energielieferungen - allerdings meist zu einem höheren Preis. Aktuell werden die Kunden jedoch weiterhin von Teldafax versorgt. Erste Netzbetreiber haben wegen der Pleite allerdings bereits die Vertriebspartnerverträge mit Teldafax gekündigt. Mehr als 100 Gas- und Stromnetze durfte Teldafax schon zuvor wegen offener Rechnungen nicht mehr nutzen.

Der Energiemarkt besteht nicht nur aus Teldafaxen

Obwohl die spektakuläre Teldafax-Pleite hunderttausende Verbraucher trifft, sollte der Wechsel des Gas- oder Stromanbieters nicht generell negativ gesehen werden. Das würde den gerade erst mühsam in Gang gekommenen Wettbewerb auf dem Energiemarkt rasch wieder abwürgen, für höhere Preise sorgen und die etablierten Versorger stärken. Ein einzelnes - wenn auch großes - Unternehmen ist aufgrund einer fragwürdigen Geschäftspolitik in die Insolvenz geschlittert.

Die Lehren aus dem Debakel? Ein günstiger Preis sollte nicht alles sein. Es lohnt sich auch ein Blick auf die Vertragsbedingungen - und eine kurze Informationssuche über den künftigen Versorger. Immerhin gab es schon länger Berichte über die finanzielle Schieflage von Teldafax. Auf guten Vergleichsportalen sind auch Bewertungen der AGBs und anderer Kunden abrufbar. Verbessert werden sollte aber auch die Aufsicht: Die Verbraucherzentralen beklagen zu Recht, dass die Bundesnetzagentur trotz der Finanzschwierigkeiten keine Handhabe gegen Teldafax hatte - und der Pleitekandidat so immer neue Kunden werben konnte.

(gh)

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