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Teldafax-Pleite: Kunden sollen nochmal zahlen

09.12.2011 - 14:58

Ein Wirtschaftskrimi war die Teldafax-Pleite schon bisher. Nun wächst sich das größte Insolvenzverfahren Deutschlands zu einem echten Skandal aus: Die geprellten Kunden sollen teilweise nochmal zahlen - obwohl sie bereits hohe Vorauszahlungen geleistet haben und eigentlich Geld zurückbekommen müssten. Grund ist das komplizierte Firmengeflecht, das sich hinter der Marke Teldafax verbirgt.

Aktuell flattern den Kunden von Teldafax die Schlussabrechnungen für ihren Gas- und Stromverbrauch in Haus. Was auf vielen zu lesen ist, dürfte bei den Empfängern für Entsetzen sorgen: Die Betroffenen sollen für ihre Energielieferungen, die sie bis zur Pleite von Teldafax erhalten haben, nochmal zahlen. Dabei haben sie schon einmal bezahlt - oft als Vorauszahlung für das gesamte Jahr, obwohl es nur bis Juni Strom und Gas gab. Hinzu kommen bei vielen Verbrauchern Kautionszahlungen. Eigentlich ist also Teldafax der Schuldner, der eine offene Forderung der Kunden begleichen müsste.

Linke Tasche, rechte Tasche - Nullsummenspiel mit fatalen Folgen

Eigentlich. Denn Teldafax bestand aus mehreren unterschiedlichen Gesellschaften. Eine davon war die Firma Teldafax Energy, mit der die Kunden einen Vertrag hatten. Dieses Unternehmen trat die Forderungen gegenüber den Kunden an eine zweite Teldafax-Gesellschaft ab - die Teldafax Services. Die Vorauszahlungen blieben aber bei Teldafax Energy. Es gab also nun eine Firma, bei der Teldafax-Kunden ein Guthaben hatten und eine andere, der sie Geld schuldeten. Das war kein Problem, solange Teldafax nicht insolvent war.

Doch nach der Pleite wuchs sich dieses Nullsummenspiel zur Katastrophe für die Kunden aus. Denn das deutsche Insolvenzrecht verbietet es, das Vermögen unterschiedlicher Gesellschaften zu vermischen oder Forderungen zu verrechnen. Insgesamt sieben Teldafax-Gesellschaften gibt es, die einzeln abgewickelt werden müssen. Der Insolvenzverwalter ist dabei verpflichtet, offene Forderungen einzutreiben. Das Ergebnis ist fatal: Viele Verbraucher müssen deshalb die Ansprüche von Teldafax Services in voller Höhe begleichen. Ihre eigenen Forderungen an Teldafax müssen sie dagegen weitgehend abschreiben.

Tausende Kunden müssen erneut bluten - für nichts

250.000 Einzelforderungen gibt es laut Hamburger Abendblatt, insgesamt geht es um 80 Millionen Euro, die der Insolvenzverwalter jetzt eintreiben lässt. Dazu wurde eigens ein Inkasso-Unternehmen beauftragt. Selbst wenn sich dieses Vorgehen als juristisch korrekt erweisen sollte - die Verbraucherzentralen arbeiten sich gerade erst in die Materie ein - richtet es gravierende Folgen an: Tausende ohnehin schon Geschädigte, darunter einkommensschwache Haushalte, die mit Teldafax sparen wollten, müssen erneut bluten. Das Vertrauen der Menschen in das Recht leidet. Und der Wettbewerb auf den Energiemärkten wird gehemmt, wenn sich ein Stromanbieterwechsel als unkalkulierbares finanzielles Risiko erweist.

Hier muss dringend nachgebessert werden. Wenn Industrieunternehmen mit einem Federstrich von den Netzentgelten befreit werden können, dann müssen auch private Energiekunden vor derart undurchschaubaren Buchungstricks wie bei Teldafax geschützt werden. Denn es ist eine Sache, eine Vorauszahlung abschreiben zu müssen - das gehört zum Risiko eines günstigen Vorauskasse-Tarifs. Aber was sich jetzt am offenen Grab von Teldafax abspielt, ist ein Skandal.

Update 13.12.2011

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein bezweifelt, dass die Forderungen gegenüber den Kunden wirksam an die Teldafax Services abgetreten wurden. Der Rat der Verbraucherschützer: Die eigenen Vertragsunterlagen genau prüfen, ob nicht doch ein Vertrag mit Teldafax Services abgeschlossen wurde. Andernfalls Einspruch einlegen. Hundertprozentige Sicherheit gibt es aber leider nicht: Wenn der Insolvenzverwalter nachweisen kann, dass die Ansprüche tatsächlich rechtswirksam auf die Teldafax Service übergegangen sind, müssen sie auch beglichen werden.

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale sind ausführliche Hinweise und Tipps für Betroffene aufgeführt. Zudem kann ein Musterbrief an den Insolvenzverwalter heruntergeladen werden.

(mb)

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