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Neue Energieanbieter sehen Wettbewerb durch kleine Netze beeinträchtigt

07.02.2011 - 13:52

Der Wettbewerb der Gas- und Stromanbieter kommt außerhalb der Ballungsräume nicht recht in Schwung. Neue Energieanbieter beklagen, dass sie in kleinen Netzgebieten den etablierten Versorgern nicht richtig Konkurrenz machen können. Der Grund: Netze mit weniger als 100.000 Kunden sind von Regulierungsvorschriften weitgehend befreit.

Eigentlich sind kommunale Stadt- oder Elektrizitätswerke ja eine feine Sache. Sie begrenzen die Macht der Energieriesen und ermöglichen Gemeinden, bei ihrer Strom- und Gasversorgung mitzureden - und zum Beispiel einen höheren Ökostrom-Anteil durchzusetzen. Deshalb gilt bei der Aufsicht für kleine Gas- und Stromnetze auch eine Ausnahme - die Betreiber sollen nicht durch ein Übermaß an Bürokratie erdrückt werden. Die Kehrseite: Neue Energieanbieter haben geringere Chancen, in diesen Regionen um Kunden zu kämpfen. Die Zeche zahlen am Ende  die Verbraucher - sie haben weniger Gas- und Stromanbieter zur Auswahl und müssen tiefer in die Tasche greifen.

Ausnahme von der Aufsicht

Grundsätzlich herrscht auf dem deutschen Energiemarkt ein scharfer Wettbewerb. Der Betrieb von Gas- und Stromnetzen und der Vertrieb der Energie müssen inzwischen in unabhängigen Unternehmen organisiert sein, damit fremde Anbieter beim Netzzugang nicht benachteiligt werden. Die Netzentgelte, die für die Energielieferungen zum Kunden fällig werden, unterliegen einer strengen Aufsicht. Und die Standards und Verfahren zum Datenaustausch sind normiert, damit es zu keinen Verzögerungen kommt. Über alles wacht die Bundesnetzagentur mit Argusaugen - außer in Netzgebieten mit weniger als 100.000 Kunden, in denen nach der sogenannten De-Minimis-Regel nur vereinfachte Auflagen erfüllt werden müssen.

Die Folge: In vielen kleinen Netzgebieten sind nach wie vor die regionalen Versorger auch die Netzbetreiber - und kassieren von fremden Anbietern oft hohe Gebühren. Die müssen zudem beispielsweise ihre Kundendaten von Hand nachbearbeiten, weil der jeweilige Netzbetreiber einen eigenen Datenstandard benutzt. Unter Strich lohnt es sich für Alternativ-Anbieter deshalb oft schlicht nicht, Kunden in derartigen Netzgebieten zu beliefern, so Thomas Mecke, Vorstandschef bei lekker Energie, laut Frankfurter Rundschau. Und auch wenn die einzelnen Netze klein sind - ihre Zahl ist groß: 90 Prozent der Strom-Verteilnetzbetreiber fallen unter die De-Minimis-Regel, das entspricht rund vier von zehn Stromkunden. Beim Gas sind es sogar 95 Prozent der Netzbetreiber.

Regulierung soll den Wettbewerb ankurbeln

Der Bundesverband neuer Energieanbieter tritt deshalb schon seit längerem für eine stärkere Regulierung auch in kleinen Netzen ein. Die De-Minimis-Regel sei geradezu eine Aufforderung zur Bildung kleiner Netze und koste Verbraucher und neue Anbieter eine Menge Geld, heißt es in einer Erklärung aus dem vergangenen Dezember. lekker verlangt jetzt zumindest eine deutliche Senkung der Grenze auf 10.000 Netzkunden. Das soll für mehr Wettbewerb sorgen und die Position der neuen Energieanbieter stärken. Der Verband kommunaler Unternehmen verweist hingegen auf die Bedeutung starker Stadtwerke, die hohe Lasten beim Netzausbau für die erneuerbaren Energie tragen müssten. Die aktuellen Regulierungs-Regeln seien ausreichend.

(mb)

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