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Energie: Wie lange bleiben Atomkraftwerke noch am Netz?

10.08.2010 - 10:36

In der Bundesregierung ist ein Streit um die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken entflammt. Einige Koalitionspolitiker wollen die Kernkraftwerke um durchschnittlich 14 Jahre länger in Betrieb halten, der Bundesumweltminister hält dagegen. Jetzt könnte ein Kompromiss die Wogen glätten.

Laut dem Koalitionsvertrag sollen die Atommeiler länger am Versorgungsnetz bleiben. Die Frage, welche die Koalition spaltet, ist: Wie lange sollen die AKWs noch bestehen? Auslöser für die neuerliche Diskussion ist ein Vorstoß von Unions- und FDP-Abgeordneten, süddeutschen Landespolitikern und dem Wirtschaftsministerium. Demnach sollen die Laufzeiten für Atomkraftwerke um durchschnittlich 14 Jahre verlängert werden. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) befürwortet dagegen nur eine Laufzeitverlängerung um maximal acht Jahre.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, plant die Bundesregierung nun neue Sicherheitsauflagen für die Kernkraftwerke zu erlassen. Mit diesem Schachzug soll ein Kompromiss ermöglicht werden. Alle Atomkraftwerke, die den angestrebten Auflagen nicht genügen, sollen bereits 2011 ihren Betrieb einstellen. Dafür könnten dann neuere und sicherere Anlagen deren Laufzeitverlängerungen übernehmen und entsprechend länger am Netz bleiben.

Die Laufzeitlänge von moderneren Anlagen würde sich so deutlich verlängern. Würde gemäß des Vorschlags von Umweltminister Röttgen die Laufzeit aller 17 Kernkraftwerke um bis zu acht Jahre verlängert werden, brächte dies einen deutlich erweiterten Spielraum für die neueren Anlagen. Denn würden gleich mehrere ältere Reaktoren stillgelegt, könnte deren Laufzeitverlängerung auf die noch bestehenden übertragen werden. Bislang ist die Frage nach der durchschnittlichen zusätzlichen Laufzeit für AKWs jedoch noch nicht geklärt.

Der Plan der Regierung hängt aber auch zu einem gewissen Teil an der Sicherheit der bestehenden Kraftwerke. So würden beispielsweise wohl einige ältere Atomkraftwerke abgeschaltet werden, wenn die Außenhüllen modernerer Anlagen terroristischen Angriffen trotzen könnten. Die alten Reaktoren diesbezüglich nachzurüsten, ist aus ökonomischer Sicht kaum sinnvoll.

Im Herbst will die Koalition ein Energiekonzept vorlegen, in welchem auch die neuen Laufzeiten klar festgelegt sein sollen. Bislang gilt noch der von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossene Atomausstieg. Diese Regelung sieht eine maximale Betriebsdauer von 32 Jahren für ein Kernkraftwerk vor – das letzte müsste demnach im Jahr 2022 vom Netz getrennt werden.

(tei)

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