0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Genossenschaft Energen Süd: Mit guter Idee in die Pleite

01.03.2012 - 17:18

Energen Süd ist pleite. In der vergangenen Woche musste die Ulmer Energie-Genossenschaft Insolvenzantrag stellen. Mit dem heutigen 1. März endete die Lieferung von Strom und Gas an die Kunden. Damit ist zwar bereits der zweite Energieversorger innerhalb von zwölf Monaten in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Verbraucher sollten sich davon aber nicht verunsichern lassen und bei einem teuren Versorger bleiben - sondern ihren Energieanbieter mit kühlem Kopf auswählen.

Eigentlich war es eine gute Idee: Verbraucher gründen eine Genossenschaft. Gemeinsam werden Strom und Gas eingekauft. Weil keine Renditeerwartungen von Geldgebern erfüllt werden müssen, hoffen die Genossen auf Preisvorteile - und sorgen nebenbei für mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt. Doch nun ist Energen Süd pleite. Knapp 28.000 Mitglieder fallen ab sofort in die teurere Grundversorgung. Sie müssen um ihre Genossenschaftsanteile - mindestens einer musste für 100 Euro gekauft werden, um von Energen beliefert zu werden - und um ihre Guthaben bei dem Versorger bangen.

Energen Süd: Insolvenz aus Versehen

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das ist der Grund, warum Energen Süd unterging. Bei der Genossenschaft wurde die EEG-Umlage nach der Erhöhung im Januar 2011 schlicht vergessen. Energen Süd bot den Strom zu billig an. Das sorgte für eine Belastung von 6,6 Millionen Euro - genug, um die kleine Genossenschaft, die keinen finanzstarken Konzern im Rücken hatte, in die Knie zu zwingen.

Mit der spektakulären Pleite von Teldafax im vergangenen Juni ist der Fall Energen Süd aber nicht zu vergleichen: Zum einen stehen für die Kunden wesentlich geringere Beträge auf dem Spiel, weil keine Vorauskasse-Tarife vertrieben wurden. Zum zweiten ist die Zahl der Betroffenen wesentlich geringer. Und zum dritten kann den Verantwortlichen bei Energen Süd beim besten Willen kein Vorsatz oder keine kriminelle Energie unterstellt werden. Bei Teldafax ermittelt hingegen der Staatsanwalt.

Trotz einzelner Pleitefälle - ein Anbieterwechsel lohnt sich

Deshalb wäre es auch falsch, Verbrauchern generell von einem Wechsel zu einem günstigen Stromanbieter oder Gasversorger abzuraten, nur weil zwei Versorger aus völlig unterschiedlichen Gründen in die Pleite gerutscht sind. Auf einem liberalisierten Markt kommt es vor, dass auch einmal ein Wettbewerber - wie jetzt Energen Süd - in die Zahlungsunfähigkeit gerät. Genau für solche Fälle hat der Gesetzgeber vorgesorgt und die Energieversorgung der Verbraucher über den Grundversorger sichergestellt.

Ein größerer wirtschaftlicher Schaden droht Kunden bei einer Pleite ihres Versorgers nur, wenn sie einen Vorauskasse-Tarif abgeschlossen, eine Kaution gezahlt oder einen Genossenschaftsanteil erworben hatten - in diesem Fall winkten aber meist auch besonders günstige Energiepreise. Für die Kunden von Energen Süd könnte sich der fatale EEG-Fehler aufgrund der zu niedrigen Strompreise im vergangenen Jahr teilweise sogar gelohnt haben. Sie müssen sich jetzt allerdings einen neuen Versorger suchen, denn die Gas- und Strompreise in der Grundversorgung sind meist sehr teuer.

Drum prüfe…

Energiekunden können ihr Risiko beim Wechsel des Gas- oder Stromanbieters minimieren - durch eine kurze Suche im Internet. So wurden schon lange vor der Pleite von Teldafax wiederholt Presseberichte über die Schieflage des Troisdorfer Versorgers veröffentlicht. Auch die Probleme bei Energen waren schon Wochen vor der Insolvenz bekannt. Viele Gas- und Stromanbieter veröffentlichen zudem Geschäftsberichte oder legen ihre Eigentümerstruktur offen, so dass die Finanzlage für potentielle Kunden transparent ist.

Auch von Energie-Genossenschaften ist nicht generell abzuraten - das beweist zum Beispiel der Öko-Versorger Greenpeace Energy, der seit Jahren zuverlässig arbeitet und liefert. Verbraucher sollten aber - wie bei der Auswahl jedes Stromanbieters - einen kühlen Kopf bewahren. Wenn Zweifel an der finanziellen Lage oder der Professionalität bestehen, sollte zumindest auf Vorkassetarife oder den Kauf von Genossenschaftsanteilen verzichtet werden.

(mb)

Weitere Artikel: