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DSL-Beschleuniger Vectoring: Segen oder Fluch?

26.01.2017 - 10:49

Außer mit Glasfaser können DSL Anbieter auch mit Vectoring die Geschwindigkeit von Internetanschlüssen nach oben treiben. Kommt diese Technologie zum Einsatz, können Anschlussgeschwindigkeiten bei bis zu 100 MBit/s liegen, da mittels Vectoring elektromagnetische Störungen auf bereits bestehenden Leitungen ausgeglichen werden.

In erster Linie ist Vectoring also eine günstige Möglichkeit, die Schnelligkeit von Leitungen zu erhöhen, da bestehende Infrastrukturen verbessert werden und keine neuen Leitungen aus Glasfaser teuer verlegt werden müssen. Allerdings ist der Einsatz dieser Technologie, die an den Kabelverzweigern (KVZ) implementiert wird, vor allem unter den konkurrierenden Providern umstritten.

Denn setzt ein Anbieter Vectoring an einem Kabelverzweiger ein, bleibt allen anderen Anbietern der Zugang zu den dortigen Teilnehmeranschlussleitungen verwehrt. Vereinfacht ausgedrückt: Setzt die Telekom, die den Ausbau ihres Netzes mit dem DSL-Beschleuniger vornehmlich vorantreibt, an einem KVZ mit 10 Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) Vectoring ein, kann auch nur sie künftig alle zehn Teilnehmeranschlussleitungen mit Internetanschlüssen versorgen.

Zum einen hätten Verbraucher also keine Wahl mehr, welchen Internetanbieter sie möchten und zum anderen könnten andere Anbieter entsprechend keine Anschlüsse mehr verkaufen und müssten wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. Dabei ist die Telekom als Eigentümer aller KVZs im Sinne der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes eigentlich dazu verpflichtet, TALs in ihren KVZs auch an andere Provider wie 1&1 oder Vodafone zu vermieten.

Deshalb haben Telekom-Konkurrenten und Interessensverbände inzwischen die Bundesnetzagentur bis hin zur EU-Kommission eingeschaltet, um das Vecotring-Vorhaben der Telekom zu verhindern. Da der Bund allerdings selbst ein klares Ausbauziel mit bis zu 50 MBit/s für alle Haushalte bis 2018 versprochen hat, standen die Chancen für die Telekom recht gut, Vectoring künftig ausbauen zu dürfen. Die EU-Kommission hatte dann zugunsten der Telekom entschieden, allerdings mit der Auflage auch Vectoring-Anschlüsse an Wettbewerber zu vermieten – zum Preis von rund 18 Euro pro Anschluss anstatt wie zuvor nur rund 10 Euro, wie laut golem.de die Konkurrenten der Telekom kritisiert hatten.

Vectoring kurzfristig besser, langfristig nicht zielführend

Für den Moment scheint der Netzausbau mit Vectoring zielführend zu sein: Der Umbau kostet wenig und geht schnell, da alles Notwendige hinter dem KVZ bereits vorhanden ist. Anders als beim Glasfaserausbau müssen keine Böden aufgerissen und neue Leitungen verlegt werden, nur die Kabelverzweiger selbst benötigen eine Anbindung ans Glasfasernetz. DSL Tarife mit Highspeed-Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s stehen Verbrauchern also recht zügig zur Verfügung.

Anderseits ist bei 100 MBit/s auch schon das Ende erreicht – mehr Highspeed kann mit Vectoring aus keiner Leitung herausgekitzelt werden – bei Glasfaser hingegen schon. Mit einem schnellen Glasfaseranschluss sind bis zu 150 MBit/s und deutlich mehr möglich. Auch wenn der Lichtwellenleiter teurer ist, ist er auf die lange Sicht wohl zukunftsträchtiger.
 

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