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DSL: Highspeed-Netz versus Datendrossel

21.10.2014 - 14:00

Verbraucher in Deutschland sollen mit mindestens 50.000 Kilobit pro Sekunde im Internet surfen können – bis spätestens 2018 will die Bundesregierung dafür gesorgt haben. Ein DSL-Anbieter sieht darin jedoch offenbar keine Notwendigkeit. Denn der Münchener Provider o2 zieht die Datenschraube ab dem 3. November mächtig an, sobald Kunden mehr als 300 oder 500 Gigabyte (GB) verbraucht haben.

Dann surfen o2-Kunden – egal, wie hoch die eingangs vereinbarte Bis-zu-Geschwindigkeit ist – mit maximal 2.000 Kilobit pro Sekunde (kBit/s) im Netz. Und 2.000 kBit/s ist eine Bandbreite, die kaum noch zeitgemäß ist. Die klassische DSL-Geschwindigkeit eines Anschluss liegt bei bis zu 16.000 kBit/s, gefolgt von DSL-Tarifen mit deutlichen höheren Bandbreiten. Kein Wunder, verlangen doch viele inzwischen gängige Web-Anwendungen nach wesentlich mehr als 2.000 kBit/s – wer sich also mit Film-Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime angefreundet hat und o2-Kunde ist, wird womöglich bald wieder zum klassischen Fernseher zurückkehren. Warum also die DSL-Drossel bei o2?

Verbraucher sollen Internet gleich nutzen können

Auf seiner Webseite begründet der Provider die DSL-Drossel mit gleichen Nutzungschancen für alle. Gewiss, jeder hat es bereits gespürt: Abends, wenn mehr Menschen über eine Leitung auf das Internet zugreifen, kann die Datenübertragungsrate langsamer werden. Aber ist das ein Grund, Verbraucher auszubremsen, wenn sie ein willkürlich festgelegtes Datenvolumen überschritten haben?

Willkürlich sollen die Datenmengen von 300 GB bis zur Drosselung in den Doppelflatrates o2 DSL All-in M, L und L Family sowie von 500 GB bei o2 DSL All-in XL nicht gewählt sein. o2 beruft sich auf die Bundesnetzagentur: Demnach würde ein durchschnittlicher Internetnutzer lediglich 22 GB pro Monat versurfen. Im Schatten dieser Zahl scheinen 300 beziehungsweise 500 GB dann äußerst großzügig gewählt. Doch an dieser Stelle sei erneut auf Angebote wie Film-Streamingdienste verwiesen: Wie der Stern in seiner Onlineausgabe festgestellt hat, schlägt bei 300 GB Datenvolumen nach zwei bis drei Filmen die Drosselung zu.

Doch Fakt ist auch: Für Bares kann sich jeder mehr Datenvolumen kaufen, um länger schnell surfen zu können. Für 4,99 Euro zusätzlich pro Monat gibt es 100 GB extra und für satte 14,99 Euro zusätzlich dann auch eine echte Flatrate zum ungebremsten Surfen. Bei einer Grundgebühr von rund 25 Euro für den günstigsten DSL-Tarif von o2, insgesamt also mit rund 40 Euro ein stattliches Sümmchen, das Verbraucher zum uneingeschränkten Surfen bezahlen sollen. Im teuersten DSL-Tarif würden es sogar rund 55 Euro pro Monat.

Günstig surft nur, wer das Internet klassisch nutzt

Wirklich günstig sind die DSL-Tarife von o2 also nur noch für Kunden, die ihre Internetverbindung für klassische Anwendungen wie E-Mail, Zeitung oder Zeitschriften lesen, Shopping oder Reisebuchung benutzen und damit nicht riskieren, dass die Drosselung aktiv wird oder gegebenenfalls keinen Unterschied bemerken. Verbraucher, die derzeit einen Wechsel ihres Internetanbieters planen, sollten bei der Wahl des Tarifs also auf jeden Fall beachten, ob eine Drosselung vorgesehen ist oder nicht.

(awa)

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