0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Braucht das Internet eine Überholspur?

18.06.2015 - 17:30

Die einen sind für die Gleichberechtigung aller Datenströme, die anderen finden die Bevorzugung bestimmter Datenpakete in Ordnung. CHECK24 erklärt, worum es in der Debatte um die Netzneutralität geht und was dabei auf dem Spiel steht.
 

Sollen bestimmte Datenpakete im Falle eines Datenstaus bevorzugt behandelt werden?
Netzneutralität – das ist die absolute Gleichbehandlung von Datenpaketen beim Versenden über die Internetleitung. Solange die Infrastruktur schnell genug ist, gibt es kein Problem. Ist die Verbindung aber zu langsam, um das gesamte Datenaufkommen zu bewältigen, kommt es zu Datenstaus. Anbieter und Provider wollen daher bestimmte Datenpakete bevorzugt behandeln, um eine Art Funktionsgarantie für bestimmte Anwendungen anbieten zu können.

Das könnte zum Beispiel beim Streamen von Videos Sinn machen: Die würden im Falle eines Datenstaus nämlich ins Stocken geraten. Ohne Netzneutralität könnte der Video-on-Demand-Anbieter den Blinker setzen und auf die für ihn reservierte Überholspur rausfahren – Problem beseitigt. Das wäre für beide Seiten ein Gewinn, denn während der eine seinen Kunden einen unterbrechungsfreien On-Demand-Service anbieten kann, erhält der Provider für die Bevorzugung der Datenpakete Geld vom Streaming-Dienst.

Und der Verbraucher? Der kann seine Videos immerhin unterbrechungsfrei gucken. Aber auch nur dann, wenn er genau den Dienst nutzt, der beim Provider dafür bezahlt. Und andere Internetdienste stecken dann womöglich im Datenstau fest. Dass das alles andere als toll ist, finden laut einer im März vom Meinungsforschungsinstitut Yougov durchgeführten Umfrage 80 Prozent der Deutschen. Sie sprechen sich explizit für die Netzneutralität aus.

Schnellspur im Notfall

Die Bevorzugung von Notfalldaten, die etwa von Polizei, Feuerwehr oder Krankenhäusern verschickt werden, findet zumindest jeder zweite Deutsche in Ordnung, wie eine Yougov-Umfrage aus dem Juni bestätigt. Die digitale Rettungsgasse würde etwa dann gebildet werden, wenn Ordnungshüter über das Internet einen Krankenwagen anfordern. Auch die Bevorzugung von Verkehrsleitsystemen, die in Zukunft mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden, ist denkbar.

Bevorzugung im Handynetz

Im Mobilfunkbereich wird das mit der Netzneutralität gar nicht so ernst genommen: Da nimmt etwa die Telekom das eigene Mobil-TV-Angebot aus dem Highspeed-Volumen aus und diskriminiert damit die TV-Angebote der Konkurrenz. Der Anbieter E-Plus inkludiert in einem Tarif den Nachrichtendienst Whatsapp, was wiederum Skype und Co. auf die Palme bringen dürfte.

USA führt digitale Gleichberechtigung ein

Das Beispiel USA zeigt, dass Netzneutralität nicht unbedingt notwendig ist. Die Amerikaner setzten nämlich zum zwölften Juni trotz Klagen großer US-Internetanbieter neue Regeln für Netzneutralität in Kraft: Legale Inhalte dürfen nicht mehr blockiert, gedrosselt oder bevorzugt behandelt werden. Vorher hatten Videostreaming-Anbieter wie Netflix Verträge mit Internetprovidern wie Verizon, um die Funktionalität sicherzustellen.

Gute Infrastruktur für Netzneutralität

Der Breitbandausbau ist die beste Waffe gegen die Bevorzugung von Datenpaketen. Denn wenn die Internet-Infrastruktur, wie eingangs erwähnt, gut genug ist, um den steigenden Datenhunger gerecht zu werden, ist eine separate Schnellspur gar nicht erst notwendig. Die von der Bundesregierung geplante flächendeckende Versorgung mit einer Downloadrate von mindestens 50 MBit/s bis 2018 ist da ein guter Anfang.

Die schnellste Internetanbindung finden Sie im Vergleich von CHECK24. Hier können Sie adressgenau überprüfen, welche DSL-Anbieter und welche Tarife an Ihrem Ort verfügbar sind.

(twi)

Weitere Artikel: