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Wer drosselt eigentlich?

21.01.2015 - 12:00

Die Telekom hat sie abgeblasen, dafür greift o2 gerade durch - Geschwindigkeitsdrosselungen sind bei Internetanbietern zwar nicht weit verbreitet, aber durchaus ein Thema. Welche Anbieter derzeit auf die Bremse drücken, sobald Sie ein bestimmtes Datenvolumen verbraucht haben und welche die Einführung einer Drossel-Mechanik planen, verraten wir Ihnen hier.

Bei Mobilfunktarifen ist eine Drosselung nach Verbrauch eines gewissen Highspeed-Volumens gang und gäbe. Wer sein Inklusivvolumen überzieht, wird für den Rest des Monats auf Schneckentempo heruntergestuft. Bei den DSL- und Kabel-Anbietern geistert so ein Modell auch schon seit einiger Zeit in den Köpfen herum, praktiziert wird das Ausbremsen der Surfgeschwindigkeit bislang aber nur von wenigen Firmen.

Telekom-Pläne zurückgezogen

Die Telekom hat sich mit ihrem Vorhaben, DSL-Flatrates nach dem Verbrauch eines gewissen Volumens drosseln zu wollen, nicht gerade Freunde gemacht: Ein gehöriger Shitstorm der Internetgemeinde breitete sich über der Firmenzentrale in Bonn aus, zudem beschloss das Landesgericht in Köln, dass die Bezeichnung „Flatrate“ für so ein Angebot nicht rechtens sei.

Die Telekom ruderte im Dezember 2013 zurück und verbannte die entsprechenden Passagen aus den AGBs. Auch die Telekom-Tochter Congstar, die eigentlich ebenfalls auf den Drossel-Zug aufspringen wollte, verabschiedete sich wieder von der Idee. Die Telekom bietet also auch weiterhin echte DSL-Flatrates an.

O2 drosselt

O2 kündigte das Drossel-Vorhaben im Oktober 2013 an, also einige Monate nach der Telekom, ging aber einen anderen Weg. O2 wartete ab, bis sich die Aufregung um das Thema Drosselung gelegt hatte und startete dann im November 2014 mit seiner „Fair Use“ genannten Drossel-Mechanik. Ein fairer Gebrauch der DSL-Leitung ist nach Ansicht des Anbieters, wenn der Kunde monatlich nicht mehr als 300 Gigabyte darüber empfängt und verschickt.
Highspeed ja, aber nur begrenzt.
Und in der Tat: Wer seine Internetleitung rund um die Uhr glühen lässt, der bremst unter Umständen andere Nutzer aus, die an derselben Leitung im selben Haus hängen. Fair und rücksichtsvoll wäre es also, aufs eigene Nutzungsverhalten zu achten.

Doch o2 lässt gleichzeitig den Klingelbeutel rumgehen. Und wer da 15 Euro pro Monat zusätzlich hineinsteckt, dem schaltet der Anbieter wieder unbegrenztes Datenvolumen frei – es geht also doch nur ums liebe Geld!

Das Telefónica-Unternehmen ist der erste Anbieter, der aktiv und flächendeckend drosselt. Betroffen sind derzeit nur „Wiederholungstäter“. Erst wer dreimal hintereinander das Fair-Use-Volumen überschreitet, wird ab dem Folgemonat bei erneuter Überschreitung auf lahme zwei Mbit/s gedrosselt. Scharf gestellt wird die Drosselung also nicht, wenn Sie das Volumen nur ein- oder zweimal überziehen, im Folgemonat aber darunter bleiben.

Das Volumen beträgt beim Tarif o2 DSL All-in XL 500 GB, bei allen anderen 300 GB. Damit kann man schon einiges anfangen, selbst wenn man täglich Videostreaming-Dienste wie Netflix oder Prime Instant Video nutzt. Wer jedoch parallel noch weitere große Datenmengen aus dem Internet lädt, sollte seinen Datenumsatz allerdings im Auge behalten.

Drosselung von Filesharing

Eine Drossel-Klausel hat auch Kabel Deutschland, allerdings beschränkt sich die auf Filesharing-Anwendungen: Wer darüber am Tag über zehn GB umsetzt, wird damit für den Rest des Tages nur noch mit 100 Kbit/s Daten herunter- oder hochladen können. In der Praxis drosselt Kabel Deutschland die entsprechenden Anwendungen derzeit erst ab einem täglichen Datenumsatz von 60 GB.

Der Anbieter Wilhelm.tel behält sich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Drosselung von Filesharing-Anwendungen vor, praktiziert diese allerdings nicht.

Mehrheit der Anbieter drosselt nicht

Die Mehrheit der Anbieter – ein paar kleine regionale Anbieter mal ausgenommen – drosselt nicht und plant Medienberichten zufolge zumindest in naher Zukunft auch nicht damit. Die Telekom, Vodafone, 1&1, Congstar, M-net und viele weitere Anbieter wollen ihre Flatrates mittelfristig also nicht (mehr) ausbremsen. Ausnahmen sind die gekennzeichneten, reinen Volumentarife, wie sie etwa 1&1 anbietet. Die sind dann meist günstiger zu haben, als die echten Flatrate-Tarife.

Die Anbieter dürften das Thema Drosselung aber auf dem Schirm behalten – schließlich steigt der Datenhunger der Kunden weiter an und es gibt immer mehr onlinebasierte Anwendungen, die immer mehr Daten umsetzen. Und der Breitbandausbau kostet. Langfristig werden die Anbieter gemeinsam nach Lösungen suchen, mehr Geld vom Kunden zu erhalten – sei es nun über kostenpflichtig erweiterbare Volumenbegrenzungen, Preiserhöhungen für Flatrates oder höhere Surfgeschwindigkeiten. Auch die Aufhebung der Netzneutralität würde mehr Geld in die Kassen der Netzbetreiber spülen – von allen Alternativen dürfte dies allerdings die schlechteste sein.

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(twi)

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