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Erstes transatlantische Telefonkabel: 60,85 Euro pro Minute bitte

09.08.2016 - 09:30

Als der Generalpostmeister des Vereinigten Königsreiches im September 1956 in London mit dem Vorstandsvorsitzenden von AT&T in New York und dann mit dem kanadischen Minister für Transport telefonierte, war ein neuer Meilenstein der Telekommunikationsgeschichte gelegt: das erste transatlantische Telefonkabel. 3.600 Kilometer lang zog sich das Koaxialkabel durch den Atlantik und verband Europa mit den USA und Kanada.

Von diesem Zeitpunkt an standen 36 Fernsprechkanäle zur Verfügung und bereits in den ersten 24 Stunden nach Inbetriebnahme wurden 707 Anrufe zwischen London und New York beziehungsweise Kanada getätigt. Diesen Service konnten sich allerdings nur Besserbetuchte leisten. Denn eine Gesprächsminute kostete satte drei Pfund, was heute ungefähr 52 Pfund entspricht – also stattlichen 60,85 Euro.

Dennoch war diese neue Art der schnellen Kommunikation über tausende Kilometer Entfernung so beliebt, dass die Kapazität schnell auf 48 Sprachkanäle ausgebaut wurde. Bis 1978 blieb Tat 1, wie das erste transatlantische Telefonkabel hieß, im Dienst. Auf Tat 1 folgten zahlreiche weitere Kabel quer durch den Atlantik – bis heute insgesamt 14, die seit 1988 aus Glasfaser bestehen und von denen noch drei in Betrieb sind.

Zwar dachte damals noch niemand der Beteiligten im Entferntesten an Videochats oder Textnachrichten via Smartphone in Sekundenschnelle. Doch der Grundstein dafür war gelegt. Noch heute wird ein Nachfolger dieses ersten transatlantischen Seekabels, das Tat 14, für die Datenübertragung zwischen Europa und den USA genutzt. Tat 14 wurde 2001 in Betrieb genommen, und ist insgesamt 15.000 Kilometer lang.

Das aus Glasfasern bestehende Kabel ist wie ein Ring angelegt: Es läuft von der US-Küste in New Jerseys durch den Atlantik an die Südküste Großbritanniens, von dort nach Frankreich, in die Niederlande und an die Nordseeküste Deutschlands. Von dort geht das Kabel weiter nach Dänemark und von der dänischen Küste an den Shetland Inseln vorbei durch den Atlantik zurück nach New Jersey.

250 DVDs pro Sekunde oder 15 Millionen Telefongespräche

Die Leistung, die Tat 14 dank seiner beiden circa fünf Zentimeter dicken Kabelstränge erbringen kann, ist enorm und kein Vergleich mehr zum Ur-Kabel Tat 1. Daten können mit bis zu 640 Gigabit pro Sekunde über die Glasfasern jagen. Für Laien heißt das: Pro Sekunde kann das Datenvolumen von rund 250 DVDs oder 15 Millionen zeitgleich geführten Telefonaten durchgeleitet werden. Dabei sind die Glasfasern im Inneren der beiden Kabelstränge deutlich dünner als ein menschliches Haar – eine einzelne Glasfaser soll ungefähr ein Drittel des Durchmessers eines Haares haben. Und in jedem Kabelstrang liegen vier Glasfaserpaare.

Auch im Satellitenzeitalter sind Tiefseekabel nicht wegzudenken, um unsere Highspeed-Kommunikation rund um den Globus beim Surfen im Internet aufrecht zu erhalten. Zwar können die Kabel durch verschiedene Ursachen brechen und müssen dann mühsam repariert werden. Satellitenverbindungen als Alternative sind mit drei bis sechs Gigabit pro Sekunde aber immer noch deutlich langsamer und teurer.

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