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Breitbandausbau in Deutschland - eine Bestandsaufnahme 2017

08.03.2017 - 09:25

Für 2018 hat die Bundesregierung angekündigt, das Breitbandnetz in Deutschland so weit ausgebaut zu haben, dass flächendeckend Internetanschlüsse mit bis zu 50 MBit/s angeboten werden können. Die Uhr tickt also – deshalb ist es an der Zeit, eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Wie weit ist der Breitbandausbau im März 2017 fortgeschritten?
 

Quelle: TÜV Rheinland Süd

Ob die Bundesregierung unter der Federführung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ihr Ziel erreichen wird, ist derzeit fraglich. Auf Webseiten des Ministeriums finden sich seit Monaten die gleichen Zahlen: Für rund 71 Prozent aller Haushalte stehen bereits Anschlüsse mit mehr als 50 MBit/s zur Verfügung, auf Bandbreiten über 16 MBit/s können immerhin rund 88 Prozent zugreifen.

Allerdings scheut sich das BMVI auch nicht, in gleichem Zuge noch auf die flächendeckende Verfügbarkeit von Anschlüssen mit einem, zwei oder sechs MBit/s hinzuweisen. Solche Geschwindigkeiten gelten heutzutage allerdings eher als antik.

Branchenverband bezweifelt Zielerreichung

„Bestenfalls 85 Prozent aller Haushalte werden in zwei Jahren 50 MBit/s oder eine höhere Bandbreite zur Verfügung haben“, ist seitens des Branchenverbandes Breko zu vernehmen, wie netzpolitik.org auf seiner Webseite berichtet. Vor allem kritisiert der Breko, dass die Bundesregierung auf das falsche Pferd setzt. Anstatt in zukunftssichere Glasfaserleitungen zu investieren, würde auf den Einsatz von Vectoring gesetzt: „Die Vectoring-II-Technologie, die nach den Vorgaben Brüssels erst nach Einführung entsprechender Vorleistungsprodukte und grundsätzlich nur vom Ex-Monopolisten in den zu weiten Teilen bereits gut versorgten Nahbereichen eingesetzt werden darf, wird den Ausbau unterm Strich verzögern, anstatt ihn im Wettbewerb zu beschleunigen“, erklärte Nico Grove, Mitglied des Breko-Beirats.

Zudem, so ist in einer im September 2016 veröffentlichten Studie des Breko zum Telekommunikationsmarkt zu lesen, würden mehr als zwei Drittel der Investitionen im Jahr 2015 nicht auf die Breitbandziele der Bundesregierung einzahlen. Vielmehr hätten sie zu Fehlinvestitionen durch Überbau geführt.

50 MBit/s-Anschlüsse im Jahr 2020 bereits veraltet

 
Mehr Geräte, bessere Vernetzung - die Nachfrage nach Bandbreite steigt stetig

Darüber hinaus rechnet der Breko auf der Basis eigener Erhebungen in seiner Markstudie vor, dass auch 50 MBit/s schnelle Internetanschlüsse in naher Zukunft bereits eher als Standard als zukunftsorientiert einzuordnen sind. Bereits im Jahr 2020 werden Verbraucher demnach vermehrt nach Anschlüsse mit Bandbreiten von bis zu 170 MBit/s im Download verlangen. Weitere fünf Jahre später, 2025, soll die Nachfrage weiter explodieren: Hier prognostiziert der Verband, dass mehr 75 Prozent nach Bandbreiten von 500 MBit/s und mehr verlangen werden.

Wenn die Bundesregierung Deutschland in Sachen Breitbandversorgung an die Spitze bringen will, ist wohl noch einiges zu tun. Im 3. Quartal 2016 lag die Bundesrepublik in einem Ranking der Länder mit den schnellsten Internetzugängen mit durchschnittlich 13,7 MBit/s auf dem 26. Platz. Spitzenreiter waren Südkorea mit durchschnittlich 26,3 MBit/s, Hong Kong (20,1 MBit/s) und Norwegen (20,0 MBit/s) sowie Schweden (19,7 MBit/s) und die Schweiz (18,4 MBit/s).

(awa)

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