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Dank fehlerhafter Widerrufsbelehrungen vom Zinstief profitieren

30.05.2014 - 14:22

Für Häuslebauer und Verbraucher, die in naher Zukunft einen Ratenkredit oder eine Baufinanzierung aufnehmen möchten, klingen die aktuellsten Nachrichten aus Frankfurt wie Musik in den Ohren: Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, hat angedeutet, dass der Leitzins für die Euro-Zone bei der nächsten Ratssitzung der Notenbank Anfang Juni möglicherweise weiter abgesenkt werden könnte. In der Folge werden wahrscheinlich auch viele deutsche Banken ihre Zinsen für Verbraucherdarlehen weiter absenken.

Diese Meldungen freuen natürlich all diejenigen, die erst jetzt einen Kredit bei der Bank aufnehmen. Für all die Eigenheimbesitzer, die ihre Finanzierung bereits vor einiger Zeit mit der Bank vereinbart haben, sind die aktuellen Niedrigzinsen natürlich ein Ärgernis: Da bei Baufinanzierungen und Immobilienkrediten üblicherweise eine Zinsbindung über mehrere Jahre vereinbart wird, profitieren diese Verbraucher von den aktuell historisch niedrigen Darlehenszinsen leider nicht.

Umschuldung auf Niedrigzins-Darlehen oft zu teuer

Das Zinstief kann sich jetzt auch für Baufinanzierer lohnen.
Um dennoch in den Genuss der aktuell günstigen Kreditkonditionen zu kommen, müssten diese Kreditnehmer ihr aktuelles Darlehen kündigen und auf einen zinsgünstigeren Immobilienkredit umschulden. Bekanntermaßen verlangen Banken für eine derartig vorzeitige Ablösung der Verbindlichkeit die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung.

Da sich diese anhand der Kredithöhe und der restlichen Darlehenslaufzeit berechnet, kommen hierfür bei der Umschuldung von Baufinanzierungen schnell mehrere Tausend Euro zusammen – damit ist die anfallende Vorfälligkeitsentschädigung in den meisten Fällen deutlich höher als die Ersparnis durch die niedrigeren Zinsen.

Doch nun gibt es auch für diese Verbraucher Hoffnung, kostenlos auf einen Kredit zu günstigeren Konditionen umschulden zu können, ohne hierfür eine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen zu müssen. Christian Schmid-Burgk, Baufinanzierungsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg, rät Kreditnehmern, die ihren Hochzinsvertrag umschulden wollen, die Widerrufsklausel des Vertrages gründlich prüfen zu lassen.

Laut Schmid-Burgk seien 70 Prozent der von seinem Team überprüften Klauseln in Immobilienkreditverträgen mangelhaft oder sogar gravierend fehlerhaft und daher zum Teil ungültig. Würde dies bei einem Verbraucher der Fall sein, könnte der Kunde den Kreditvertrag, beispielsweise für eine Umschuldung, jederzeit kündigen, ohne dass die Bank hierfür eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen darf.

Seit 2002 wurden die gesetzlichen Vorschriften für Widerrufklauseln in Kreditverträgen mehrfach abgeändert, sodass viele Banken mit der Anpassung der Änderungen in ihren eigenen Schriftstücken nicht mehr nachkamen. Da die Vertragsklauseln der Geldhäuser daher nicht den aktuellen rechtlichen Anforderungen entsprechen, sind diese für den Verbraucher nicht bindend.

Daran erkennen Sie eine ungültige Widerrufsbelehrung

Bei einer ungültigen Vertragsklausel zum Widerruf des Darlehensvertrages gibt das kreditgebende Geldinstitut laut der Verbraucherschützer nicht deutlich an, ab welchem Zeitpunkt das 14-tägige Recht auf den Widerruf des Vertrages gilt. Ausdrücke wie „frühestens“ sind laut der Verbraucherschützer ebenso nicht zulässig wie Formulierungen, die dem Verbraucher den Eindruck geben, der Widerruf würde bereits bei der Darlehensanfrage beginnen. Die zweiwöchige Widerrufsfrist des Kreditvertrages beginnt tatsächlich jedoch erst mit der Unterzeichnung des Vertrages.

Ein weiterer Hinweis auf eine fehlerhafte und daher unwirksame Widerrufsbelehrung ist der fehlende Hinweis auf die Postanschrift der Bank. Da der Widerruf des Kreditvertrages stets schriftlich an das Geldhaus gerichtet werden muss, ist es in der Klausel nicht ausreichend, lediglich die Telefonnummer der Bank anzugeben.

Hinweis: In der untenstehenden korrekten Widerrufsklausel einer Bank wurde die Anschrift aus Datenschutzgründen jedoch geschwärzt.

Kreditnehmer, die den Eindruck haben, dass ihre Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist, sollten dies jedoch zunächst immer von einem Juristen überprüfen lassen. Verschiedene Verbraucherschutzzentralen in Deutschland bieten Darlehensnehmern für ein Entgelt in Höhe von 70 Euro an, den entsprechenden Vertragspassus zu überprüfen.

Übrigens: Laut der Verbraucherschützer sollten auch Kreditnehmer, die für ein vor längerer Zeit umgeschuldetes Darlehen eine Vorfälligkeitsgebühr bezahlt haben, ihren Kreditvertrag nachträglich prüfen lassen. Bei sogenannten Verbraucherschutzrechten, wie im vorliegenden Fall, gelten keine Verjährungsfristen – auch Kreditnehmer, die bereits vor Jahren zu Unrecht eine Vorfälligkeitsentschädigung für die vorzeitige Ablösung ihres Baukredites bezahlt haben, können diese jetzt noch zurückfordern.

(as)

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