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Baufinanzierung: Verbraucherkreditrichtlinie wird zur „Zinsfalle“

12.08.2010 - 21:56

Bisher wurde der Zinssatz eines Baudarlehens entsprechend der Laufzeit des Kredits berechnet. Doch am 11. Juni 2010 trat die Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft, welche dem Verbraucher eigentlich einen besseren Einblick in die tatsächliche Verzinsung ermöglichen sollte. Doch letzten Endes ist die Zinsberechnung für den Kunden noch unübersichtlicher geworden als bisher.

Neu für die Verbraucher ist die Berechnung des effektiven Jahreszinses. Anders als früher wird der effektive Jahreszins jedoch nicht mehr nach der Laufzeit eines Darlehens berechnet, sondern muss nach der neuen Regelung bis zur kompletten Tilgung des Kredites ausgewiesen werden. Für den Fall, dass die vereinbarte Sollzinsbindung kürzer ist, als die Zeit bis zur vollständigen Rückzahlung des Darlehens, trifft der Kreditgeber Annahmen über den sogenannten Anschlusszins, um den effektiven Jahreszins zu errechnen. Das Problem ist: Niemand kann ernsthafte Prognosen über den Anschlusszins einer Baufinanzierung nach dem Ablauf der Zinsfestschreibung abgeben.

Bisher existieren bei den Sparkassen und Bankinstituten verschiedene Ansichten darüber wie der effektive Jahreszins auszuweisen bzw. welcher Anschlusszins anzunehmen ist. So weisen etwa die Sparda-Banken den Anfangszinssatz für die gesamte Tilgungszeit aus. Viele andere Banken rechnen für das anschließende Darlehen mit einem niedrigeren Zinssatz. Nach den Richtlinien des neuen Gesetzes ist es ebenfalls zulässig, ab dem Ende der Zinsbindungsfrist mit einem veränderlichen Sollzinssatz zu planen. Nach diesem Modell verfahren einige Sparkassen.

Genau an dieser Stelle werden die Zinssätze für den Verbraucher noch undurchsichtiger – ursprünglich sollte die neue Verbraucherkreditrichtlinie für mehr Transparenz sorgen. Der veränderliche Sollzinssatz wird bei einer Anschlussfinanzierung praktisch kaum gewählt. Bei der Zinsberechnung einer Baufinanzierung vor dem eigentlichen Abschluss des ursprünglichen Darlehens führt er zu unrealistischen Werten. Denn dass die derzeit niedrigen Zinsen in Zukunft auf einem ähnlich tiefen Niveau sind, ist eher nicht zu erwarten. Die Angebote für Baudarlehen sind unter diesen Voraussetzungen also kaum vergleichbar.

CHECK24 rät Ihnen, bei Angeboten immer zu fragen, welcher Zinssatz zur Berechnung der Zinsen nach Ablauf der Bindungsfrist gewählt wurde (Anschlusszins). So werden verschiedene Angebote überhaupt vergleichbar. Außerdem ist es vorteilhaft, sich für die Dauer der Zinsbindungsfrist den Vergleichszinssatz berechnen zu lassen. Dadurch können Sie zumindest für diesen Zeitraum (beispielsweise zehn oder 15 Jahre) eine realistische finanzielle Belastung für sich ermitteln.

(tei)

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