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Autokredit und Restschuldversicherung - nichts als teurer Spaß?

04.07.2015 - 08:00

Fast jeder zweite Kredit wird in Deutschland zum Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens abgeschlossen, doch in den wenigsten Fällen machen sich Verbraucher vor Abschluss eines Autokredites auch Gedanken über ihre Absicherung. Genau das kann sie im Ernstfall teuer zu stehen kommen.

Der Kauf eines Autos ist und bleibt für die Deutschen der wichtigste Grund für eine Kreditaufnahme – ganze 46 Prozent und damit fast die Hälfte aller Darlehen werden zu diesem Zweck abgeschlossen. Das ergab eine Umfrage, die die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der SCHUFA durchgeführt hat und deren Ergebnisse Deutschlands marktführende Auskunftei in der vergangenen Woche in ihrem diesjährigen Kredit-Kompass veröffentlichte.

Hoher Kreditbetrag – hohes Risiko

Ob Familienauto oder Sportwagen: Ein neuer Pkw hat seinen Preis. Bundesbürger, die sich in nächster Zeit ein neues Auto gönnen wollen, müssen hierfür in der Regel mit Anschaffungskosten im fünfstelligen Bereich rechnen. Ein solcher Betrag übersteigt schnell die finanziellen Reserven – da kommt ein zinsgünstiger Autokredit wie gerufen. Wer seinen Neuen oder Gebrauchten auf Raten finanzieren will, sollte sich jedoch nicht nur über den passenden Kredit informieren; ebenso sollten sich Kreditnehmer darüber im Klaren sein, was passiert, wenn sie während der Kreditlaufzeit plötzlich nicht mehr in der Lage sind, ihre monatlichen Tilgungsraten zu zahlen. Gerade bei höheren Darlehensbeträgen und einer längeren Laufzeit kann sich eine zusätzliche Absicherung für Verbraucher lohnen.

Wenn der Verkauf des Autos droht

Bei Zahlungsausfall kann die Bank den Wagen verkaufen.
Bei Zahlungsausfall schützt die Restschuldversicherung vor dem Verlust des Autos.
Bei der Vergabe eines Darlehens verlangt die kreditgebende Bank stets bestimmte Sicherheiten, um sich gegen einen Zahlungsausfall abzusichern: Bei Abschluss eines Autokredites wird zu diesem Zweck vom Kreditnehmer eine sogenannte Sicherungsübereignung unterzeichnet, die der Bank das Recht einräumt, das finanzierte Auto im Ernstfall zu verkaufen und vom Erlös die Restschuld zu begleichen. Viele Banken fordern darüber hinaus auch die Hinterlegung der Zulassungsbescheinigung Teil II, ehemals Kfz-Brief. Rein rechtlich gesehen ist das Kreditinstitut damit Eigentümer des Fahrzeuges. Das ändert sich erst, wenn der Kredit vollständig zurückgezahlt ist und der Darlehensnehmer diese Papiere zurückerhält.

Kommt er seinen Zahlungsverpflichtungen jedoch nicht mehr nach und zeigen auch wiederholte Mahnungen keinen Erfolg, so wird die Bank früher oder später von ihrem Recht Gebrauch machen und das Fahrzeug verkaufen – bitter für jeden, der auf sein Auto angewiesen ist. Doch es gibt durchaus einen Weg, dem Verlust des Fahrzeuges von vornherein gegenzusteuern und zwar mit einer sogenannten Restschuldversicherung.

Unbekanntes Terrain: Die Restschuldversicherung

Obwohl fast die Hälfte aller in Deutschland abgeschlossenen Kredite für den Autokauf verwendet wird, ist das Thema Restschuldversicherung für die meisten deutschen Autofahrer absolutes Neuland. In einer Forsa-Studie, für die im Herbst 2014 insgesamt 1.327 Autofahrer im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt wurden, hat die Bank of Scotland herausgefunden, dass gut einem Drittel von ihnen eine solche Versicherung gänzlich unbekannt ist. Lediglich ein Fünftel gab in der Befragung an, sich nach eigener Einschätzung recht genau mit dieser Versicherung auszukennen. Besonders wenig wussten dabei die jüngeren Umfrageteilnehmer über dieses Thema Bescheid: 51 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben nach eigener Aussage noch nie etwas von einer Restschuldversicherung gehört. Gerade in dieser Altersgruppe aber werden laut der SCHUFA die meisten Kredite für den Autokauf aufgenommen. Doch was genau ist eine Restschuldversicherung eigentlich?

Zusätzliche Sicherheit dank Restschuldversicherung

Ob Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder im schlimmsten Falle der Tod des Kreditnehmers: Kann ein Verbraucher die Raten seiner Finanzierung nicht mehr begleichen und hat er bei der Kreditaufnahme eine Restschuldversicherung abgeschlossen, so springt diese für ihn ein und übernimmt die Tilgung des verbleibenden Kreditbetrages. In der Regel wird eine solche Restschuldversicherung, die auch als Ratenschutz- oder Restkreditversicherung bezeichnet wird, zeitgleich mit dem Darlehen abgeschlossen. Dabei wird auch festgehalten, für welche Schadensfälle die Versicherung haften soll. Dem Bedarf entsprechend sind hier Teilabsicherungen, wie etwa nur bei Todesfall, oder auch ein Komplettschutz möglich.

Je nach Versicherungsumfang, Kreditsumme, Laufzeit und Kreditnehmer kann eine Restschuldversicherung jedoch eine teure Angelegenheit werden. Indem Sie auf den Kreditbetrag aufgeschlagen wird, erhöht die Versicherungssumme die finanzielle Belastung, die durch die Verbindlichkeit entsteht, deutlich. Diese hohen Ausgaben in Kauf zu nehmen kann sich jedoch durchaus lohnen.

Lohnt sich eine Restschuldversicherung bei der Autofinanzierung?

Ob eine Restkreditversicherung bei Abschluss eines Autokredites sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich sollten jedoch Autofahrer, die etwa aufgrund ihres Wohnortes oder ihrer Familiensituation auf das Fahrzeug angewiesen sind, zumindest einmal darüber nachdenken, eine solche Versicherung abzuschließen. Sollte der Kreditnehmer beispielsweise arbeitslos oder aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig werden und die Raten nicht mehr bezahlen können, weil ihm hierfür die Ersparnisse fehlen, so könnte das für ihn den Verlust seines Autos bedeuten – schließlich hat die Bank das Recht, den Wagen bei Zahlungsausfall zu verkaufen, um durch den Erlös den Restkreditbetrag zu tilgen. Gerade das kann für den Kreditnehmer jedoch problematisch werden, vor allem dann, wenn das Auto für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung oder für Arztbesuche benötigt wird.

Doch nicht nur eine Absicherung bei Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit kann sich lohnen, sondern ebenso auch eine Versicherung, die dann einspringt, wenn der Kreditnehmer unerwartet stirbt. Im Todesfall geht die Kreditlast nämlich auf die Erben des Darlehensnehmers über. Zwar besteht bei einem Autokredit auch für die Angehörigen die Möglichkeit, den Kredit durch den Verkauf des Autos zu tilgen, jedoch kann auch das zum Problem werden – etwa dann, wenn es sich um den Familienwagen handelt. Sind Sie hingegen auf das finanzierte Auto nicht zwangsläufig angewiesen, etwa weil es sich um einen Zweitwagen handelt, so kann die Möglichkeit, das Auto im Ernstfall zu verkaufen, mitunter als Absicherung reichen. Doch auch hier gilt: Handelt es sich um ein Liebhaberstück, von dem Sie sich nur ungern trennen würden, so sollten die eine Restkreditversicherung zumindest in Erwägung ziehen.

Was passiert mit der Restschuldversicherung bei Diebstahl oder einem Totalschaden?

Das neue Auto ist gekauft, Autokredit und Restschuldversicherung sind unter Dach und Fach – doch dann wird der neue Wagen gestohlen oder gerät in einen Unfall und erleidet Totalschaden. Kommt es zu einem solchen Unglücksfall, so springt die Teil- beziehungsweise Vollkaskoversicherung ein und kommt für den entstandenen Schaden auf. Da durch den Verlust des Wagens zugleich auch die Sicherheit für die Bank wegfällt, wird das kreditgebende Institut den Darlehensvertrag zeitnah auflösen, sodass die Versicherungssumme letztlich dazu genutzt werden muss, die Restschuld zu begleichen.

Doch was geschieht mit der Ratenschutzversicherung, wenn der Autokredit getilgt ist? In diesem Fall besteht für den Versicherten ein Sonderkündigungsrecht, das es ihm erlaubt, den Versicherungsvertrag vorzeitig zu beenden. Die gezahlte Versicherungsprämie wird ihm dann anteilig zurückerstattet.

Übrigens: Auch ohne Sonderkündigungsrecht haben Verbraucher jederzeit die Möglichkeit, die Ratenschutzversicherung zu kündigen. Hierbei muss jedoch die vertraglich geregelte Kündigungsfrist eingehalten werden. Diese liegt in der Regel bei zwei Wochen zum Monatsende.

Restschuldversicherung – ja oder nein?

Kaufen Sie sich ein neues Auto und nehmen Sie hierfür einen Kredit auf, so sollten Sie sich bei Ihrem Kreditinstitut über eine Restschuldversicherung informieren. Dabei ist es wichtig, die Kosten in Relation zur Bedeutung des Wagens zu betrachten. Sind Sie in jedem Falle, das heißt auch bei Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit, auf Ihr Auto angewiesen, so kann Ihnen eine Ratenschutzversicherung die nötige Absicherung bieten.
 
(fh)

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